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Hambühren Ärzte-Streit in Hambühren entbrannt
Celler Land Hambühren Ärzte-Streit in Hambühren entbrannt
20:21 25.11.2014
Von Simon Ziegler
Quelle: Rolf Vennenbernd
Hambühren

HAMBÜHREN. Der Allgemeinmediziner Dr. Ulrich Seemann aus Ovelgönne hat in ungewöhnlicher Art und Weise auf das mögliche Scheitern des Ärztehauses an der Ostlandstraße reagiert. „Ich muss zugeben, dass ich das Verhalten von Herrn Landgraff nicht nur unmoralisch finde, sondern dass ich mich darüber richtig geärgert habe. Die Begründung von Herrn Landgraff, in dem MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum, die Red.) könnten seine Gewinnerwartungen nicht erfüllt werden, hört sich schon sehr makaber an. Ich garantiere Ihnen, wir Ärzte verdienen gar nicht so schlecht“, führt Seemann in einem Schreiben an die CZ aus, das er als „offenen Brief“ bezeichnet. „Diese Kritik an einem Kollegen ist unter Medizinern absolut unüblich und besonders für mich ein Novum. Da aber die Reputation auch anderer Ärzte in Mitleidenschaft gezogen werden kann, sehe ich mich zu einer Klarstellung gezwungen. Ich bedaure sehr, zu einem derartigen Schreiben gezwungen zu sein“, so Seemann, der der Öffentlichkeit durch seine Einsätze für die Hilfsorganisation „humedica“ bekannt ist. Dafür erhielt er in diesem Jahr das Bundesverdienstkreuz.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Maximilian Landgraff nicht in das von der Celler Immobilienfirma Gessner und Raap geplante Ärztehaus einziehen wird. Dafür seien wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend, sagte er.

Nach Seemanns Worten hätten sich die Gemeinde und die jeweiligen Bürgermeister in den vergangenen Jahren sehr bemüht, ein Medizinisches Versorgungszentrum in Hambühren zu etablieren, um Facharztpraxen anzulocken. Es sei zu erkennen gewesen, dass ein solches Projekt nur unter Einbeziehung der niedergelassenen Allgemeinmediziner zu verwirklichen wäre. „Uns war selbstverständlich klar, dass von der Amortisation her das MVZ ungünstiger sein muss, da nicht nur die Praxisräume hätten neu ausgestaltet werden müssen, sondern dass auch die Praxismiete erheblich über den Mieten der jetzigen Arztpraxen liegen müsste. Diese Tatsachen waren bekannt und sind in der Vergangenheit unter Kollegen intensiv diskutiert worden“, schreibt Seemann, der mit Thorsten Knigge eine Praxis in Ovelgönne hat.

Knigge, der in das Ärztehaus einziehen wollte, sei ganz nebenbei von Dr. Maximilian Landgraff informiert worden, dass dieser entschieden hat, nicht in das Gesundheitszentrum einzuziehen. Sein Kollege sei davon laut Seemann ebenso entsetzt gewesen wie Investor und Gemeinde. „Besonders schmutzig ist dabei die Tatsache, dass Herr Knigge in der Erwartung einer großen Gemeinschaftspraxis die Suche nach einem Nachfolger für mich in den letzten zwei Jahren quasi aufgegeben hat“, so der fast 70-jährige Seemann. Die Hambührener Ärzteschaft habe eine vorbildliche Kollegialität gepflegt, in der man sich insbesondere dem Patienten gegenüber verpflichtet fühlte und das Gewinnstreben nicht relevant und absolut nachrangig war. „Offensichtlich hat sich da etwas geändert“, schließt Seemann seinen Brief.

Landgraff war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.