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Hambühren An Leukämie erkrankte Rieke aus Oldau nach Stammzellentransplantation wohlauf
Celler Land Hambühren An Leukämie erkrankte Rieke aus Oldau nach Stammzellentransplantation wohlauf
12:38 15.12.2013
Von Christoph Zimmer
Rieke geht es nach der Stammzellentransplantation wieder besser. - Vor allem, wenn sie auf dem Rücken von Holzpferd Sabrina sitzt. Quelle: Christoph Zimmer
Oldau

Rieke sitzt fest im Sattel und hat die Zügel in der Hand. Der schwarze Reiterhelm sitzt perfekt auf ihrem Kopf. „Auf einem echten Pferd macht das noch viel mehr Spaß. Das hat so viel Energie“, sagt das sechs Jahre alte Mädchen aus Oldau mit einem frechen Grinsen. Bei den kalten Temperaturen muss sie sich im Augenblick mit dem großen Holzpferd im Wohnzimmer ihrer Eltern begnügen. „Wenn es warm wird, will ich wieder in einem richtigen Sattel sitzen“, sagt Rieke. Das an Leukämie erkrankte Mädchen erholt sich langsam. Knapp vier Monate nach der erfolgreichen Stammzellentransplantation wohnt sie wieder bei ihrer Familie in Oldau und freut sich auf Weihnachten.

Der sechs Jahre alten Rieke geht es besser. Anfang August war ein geeigneter Knochenmarkspender für das Mädchen gefunden worden. Die Stammzellentransplantation schlug an. Bis zum 100. Tag nach der Transplantation bestand die Gefahr, dass die neuen Stammzellen wieder abgestoßen werden. Inzwischen sind schon mehr als 130 Tage vergangen und die Chancen auf eine Heilung stehen gut. Aber die Möglichkeit eines Rückfalls ist immer präsent. Auch wenn es immer weiter aufwärts geht, Rieke mit einer Freundin aus Wieckenberg gemeinsam geritten ist, wieder auf einen Kindergeburtstag eingeladen worden ist und Anfang des Jahres wieder in den Kindergarten Hummelnest in Hambühren gehen soll. Sie verdränge bewusst die Angst, sagt Riekes Mutter Tanja Olbrich. „Wir versuchen nicht daran zu denken, was morgen ist. Wir wollen die Zeit genießen, die wir haben.“

Mit einer starken Chemotherapie wurde Riekes Immunsystem so weit heruntergefahren, dass ihr Knochenmark komplett zerstört wurde. In dieser kritischen Zeit lebte das Mädchen in einem keimfreien Raum, der nur über Schleusen zugänglich war. Anfang August erhielt Rieke dann die gesunden Stammzellen. Danach begann ihr Immunsystem langsam wieder zu arbeiten und eigene, gesunde Blutzellen zu produzieren. Einmal in der Woche wird Riekes Blut kontrolliert. Im nächsten Jahr wird in einer großen Punktion untersucht, wie gut das Knochenmark angenommen wurde. „Wir sind sehr erleichtert, dass alle Ergebnisse bisher so positiv waren“, sagt Olbrich.

Anfangs musste Rieke körperliche Anstrengungen vermeiden und aufpassen, mit was oder wem sie sich umgibt und was sie isst. Jetzt kann sie wieder Obst essen, das nicht gekocht oder geschält wird. „Sie glauben gar nicht, wie sehr sie sich auf Erdbeeren und Weintrauben gefreut hat oder auf einen Apfel mit Schale“, sagt Olbrich. Oder gemeinsam Kekse backen und Teig naschen. Es ist so, als würden sie die Welt neu entdecken.

Rieke war bereits Anfang 2011 an Leukämie erkrankt und wurde umfassend behandelt. Im Oktober 2012 ging sie nach fast eineinhalb Jahren wieder in den Kindergarten. Im Frühjahr ereilte die Familie aus Oldau dann der Schock, der ihre Welt furchtbar erschüttert hat. Rieke, dieses fröhliche, lebenslustige Mädchen hatte einen Rückfall erlitten und war erneut an dieser besonders aggressiven Form von Leukämie erkrankt. Die akute lymphatische Leukämie ist die häufigste bösartige Erkrankung im Kindesalter, die Rieke nur noch mit Hilfe einer Stammzellenspende besiegen konnte.

Riekes Schicksal hatte eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Aber nicht nur Familie und Freunde boten ihre Hilfe an und sammelten Spenden für die große Typisierungsaktion, sondern Bürger aus dem gesamten Landkreis. Bei der gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei organisierten Typisierungsaktion ließen sich 2255 Menschen ihr Knochenmark untersuchen. „Es ist wahnsinnig, wie groß die Anteilnahme und Unterstützung in dieser Zeit waren. Ich kann mich bei den ganzen Menschen auf diesem Wege nur bedanken“, sagt Olbrich.

Vorbei die Zeiten, in denen die vielen Krankenhausaufenthalte den Alltag der Familie bestimmten. „Bald ist Weihnachten. Ich kann es kaum noch erwarten“, sagt Rieke. Von den Kindern aus dem Hummelnest hat sie einen selbst gebastelten Adventskalender bekommen. „Es ist schön, dass sie nicht vergessen wurde“, sagt ihre Mutter.

Rieke sitzt immer noch auf dem Holzpferd, das sie Sabrina getauft hat. „Wie bei Bibi Blocksberg.“ Da sie an Heiligabend nicht in die Kirche gehen kann, wird die Familie ein privates Krippenspiel aufführen. „Da freue ich mich schon drauf“, sagt Rieke, die sehr gerne Theater spielt. Welche Rolle sie in dem Stück übernehmen wird, steht für sie noch nicht fest. „Vielleicht bin ich die Maria.“