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Hambühren Frühes Aufstehen für Zaman Haidary kein Problem
Celler Land Hambühren Frühes Aufstehen für Zaman Haidary kein Problem
17:42 19.11.2018
Zaman Haidary ist froh, einen Job gefunden zu haben. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Hambühren

HAMBÜHREN. „Holzwerk“ ist in Großbuchstaben auf das T-Shirt gedruckt, ein Zollstock steckt in der Seitentasche der festen Arbeitshose: Zaman Haidary (28) kommt gerade von der Baustelle am Südwall. Hier arbeitet er als Bauhelfer, er hat Lehmputzplatten geschnitten und ins Haus getragen. Und Zaman Haidary ist froh darüber, dass er den Job hat.

Ausbildungsplatz im nächsten Jahr?

Da macht es ihm nicht viel aus, dass er morgens um vier Uhr aufstehen muss, um rechtzeitig zur Einsatz-Besprechung im Betrieb zu sein. „Ich will arbeiten“, sagt der Afghane, der seit 2015 in Hambühren lebt. In dem Zimmerei-, Dachdeckerei-, Maurer- und Malereibetrieb Holzwerk von Jörg Reinstorf ist er jetzt als Bauhelfer tätig. „Alle Kollegen sind nett“, findet er. „Ich hoffe, nächstes Jahr einen Ausbildungsplatz zu bekommen.“

Mit Deutsch beherrscht er vier Sprachen

Drei Monate lang war er schon bei einem Elektriker Praktikant, bei der Volkshochschule lernte er Deutsch. Den Test für Zuwanderer des Goethe-Instituts hat er inzwischen absolviert. Zaman Haidary findet es gut, seine Fremdsprachenkenntnisse in der Praxis zu erweitern, denn er spricht Arabisch, Griechisch, Englisch und jetzt auch Deutsch.

"Hätte unschuldige Menschen erschießen sollen"

Bevor er mit Hilfe von Schleppern, denen er rund 2500 Dollar zahlte, nach Deutschland kam, lebte er zusammen mit seinem Vater und zwei Geschwistern acht Jahre in der Millionenstadt Ghom, südlich von Teheran im Iran. Als er 17 Jahre alt war, starb seine Mutter. „Eigentlich hätte ich in der afghanischen Armee Soldat werden sollen“, sagt Haidary. „Dann hätte ich in den Krieg gehen und unschuldige Menschen erschießen sollen.“ Für ihn steht aber fest: „Das will ich nicht.“

Als Flüchtling bislang nicht anerkannt

Bisher ist Haidary als Flüchtling nicht anerkannt. Er wartet noch auf eine Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und hofft auf einen guten Übersetzer, der seine Fluchtgründe richtig darstellt. „Das ist bisher eine sehr lange Zeit der Ungewissheit“, bedauert Haidary, „Gott sei Dank ist es hier ganz ruhig".

Seehofer spricht von Verantwortung

So wie Bundesinnenminister Horst Seehofer in seinem Masterplan Migration politische Ziele definiert, will er, dass sich Menschen, die mit einem Schutzstatus länger in Deutschland bleiben, in unsere Gesellschaft und Werteordnung integrieren. „Erfolgreiche Integration ist Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt Seehofer. Und: „Von allen Zuwanderern erwarten wir eine Identifikation mit unserem Land und die Anerkennung unserer Werte und Lebensweise.“ Die große Aufgabe der Integration könne nur gelingen, wenn von vorneherein feststehe, auf wen und auf was sie sich beziehe. Sie beziehe sich auf Menschen mit Bleibeperspektive, nicht auf alle, die gekommen sind, so Seehofer. Und sie beziehe sich auf unsere Werteordnung, die den Zusammenhalt der Gesellschaft ausmacht. Die Verantwortung gegenüber der Stabilität des Staates gebiete Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung, sagt der Minister weiter.

Gemeinde Hambühren achtet darauf, "dass es passt"

„Wir alle achten darauf, dass es passt“, sagt die Integrationsbeauftragte der Gemeinde Hambühren, Jessica Illmann. „Wir haben da unsere Hand drauf, dass kulturelle Unterschiede nicht so mit Volldampf aufeinander stoßen.“ Sie meint, dass man einen Menschen hier belassen sollte, sobald er sich allein unterhalten kann. Das wäre auch ein Beitrag zur Minderung des Fachkräftemangels.

Selbstbestimmtes Leben ermöglichen

Für Jörg Reinstorf steht indes fest, dass es zur gesellschaftlichen Verpflichtung gehört, Menschen wie Zaman zu unterstützen und ihnen damit die Möglichkeit zu geben, wertig und selbstbestimmt zu sein. Und wenn sich – wie bei Zaman Haidary – aus der Zusage, ein Praktikum zu ermöglichen, dann ein vorab nicht zu erwartender fester Arbeitsplatz entwickelt, ist das nach Jörg Reinstorfs Meinung für den Migranten ebenso wie für den Betrieb mit den 44 Mitarbeitern ein großartiger Erfolg: „Und somit ja auch für unsere Gesellschaft. Ich kann nur sagen, dass die politischen Grundlagen zur Rücksendung oder Abschiebung von zu uns Kommenden aus mehreren Gründen grundlegend überdacht und überarbeitet werden müssen.“

Von Lothar H. Bluhm

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