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Hambühren Hambührener Einrichtung hilft Suchtkranken
Celler Land Hambühren Hambührener Einrichtung hilft Suchtkranken
17:17 08.03.2017
Kamen gestern im Haus Niedersachsen miteinander ins Gespräch (von links): Geschäftsführer Matthias Hierzer, Haustechniker Karsten Theuerkorn, Bürgermeister Thomas Herbst, Gleichstellungsbeauftragte Gianna Rieb, Leiterin Ina Reichinger, Sozialpädagogin Lisa Gehrke, Therapeutin Gabriele Seiche-Heine und Ergotherapeutin Jessica Bahilik. Quelle: Kirsten Glatzer
Hambühren

HAMBÜHREN. Das zu erkennen und sich Hilfe zu suchen, ist dann ein erster wichtiger Schritt. Doch nach stationärer Behandlung und Therapie stellt sich vielen die Frage. Was nun? Wer begleitet mich auf meinem weiteren Weg? Wer unterstützt mich bei der Organisation des Alltags? Wie fülle ich die Zeit sinnvoll, in der sich bis vor Kurzem noch alles um die Sucht drehte? Wie finde ich einen Arbeitsplatz? Wo gibt es Wohnraum für mich?

Eine Einrichtung wie die "Haus Niedersachsen GmbH Adaption Hambühren" hilft, den Wiedereinstieg ins reale Leben zu finden. Sie besteht seit 1979, seit 1996 als durch die Rentenversicherung mitfinanzierte Adaptionseinrichtung. Familiären Charakter erhält das Haus durch nur sieben Therapieplätze. Jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer. Es gibt einen Gemüsegarten, eine Holz- und Metallwerkstatt und sogar vierbeinige Mitbewohner, nämlich Kater Felix und einige Zwergkaninchen, die aus dem Tierheim stammen.

"Hier wird den Menschen ein Zuhause geboten, denn eine Behandlung kann nur dann greifen, wenn sie sich wohlfühlen. Hier ist keiner eine Nummer", erklärt Ina Reichinger, Leiterin der Einrichtung.

Das bestätigt auch Holger W. (Name geändert): "Ich fühle mich hier gut aufgehoben, nicht ausgegrenzt. Hier habe ich die Möglichkeit, mein Leben neu zu strukturieren."

Das Team um Ina Reichinger erfährt mittlerweile große Unterstützung durch Betriebe und Unternehmen aus Hambühren und Umgebung, etwa wenn es darum geht, Praktikums- oder auch Arbeitsplätze für die Bewohner zu finden. Dennoch ist sie der Meinung: "Die Akzeptanz unseres Hauses durch die Bevölkerung ist wichtig. Wir müssen uns öffnen."

Ein Ansinnen, mit dem sie bei Hambührens Bürgermeister Thomas Herbst auf offene Ohren stieß. Und so informierten er und die kommunale Gleichstellungsbeauftragte Gianna Rieb sich gestern vor Ort über die Einrichtung und sicherten ihre Hilfe und Zusammenarbeit zu. "Ein großes Problem ist es nämlich nach wie vor, nach dem Ende der Adaptionsmaßnahme eine Wohnung für die Betroffenen zu finden", sagt Gabriele Seiche-Heine, Therapeutin für das ambulant betreute Wohnen. Zu groß sind da noch die Vorbehalte bei Vermietern und Maklern.

Von Kirsten Glatzer