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Hambühren Hambührener Urgestein: "Weil ich hier geboren bin"
Celler Land Hambühren Hambührener Urgestein: "Weil ich hier geboren bin"
12:01 02.07.2014
Urgestein - Hans Hövelmann hat - dafür gesorgt, dass an - der Kreuzung der B 214 mit der Landesstraße eine Lore aus dem Schacht Prinz Adalbert aufgestellt wurde. Quelle: Lothar H. Bluhm (5)
Hambühren

HAMBÜHREN. Hans Hövelmann ist 84 Jahre alt und sein gepflegter gezwirbelter Schnurrbart verrät etwas über seinen Beruf. Hövelmann ist Friseurmeister. Er wurde in der Mittelstraße in Ovelgönne geboren, ein paar Häuser weiter von seinem jetzigen Wohnhaus. Und er wurde, wie er sagt, mit Wasser aus dem Ziegeleiteich des Kalksandsteinwerkes vom Winser Pastor getauft. Der Pastor des Kirchspiels Winsen, zu dem Ovelgönne gehörte, habe immer eine Milchkanne dabei gehabt, um auf dem Rückweg frische Milch mitzunehmen. Vorher habe er Wasser aus dem Teich geschöpft. Für die Taufe von Hans Hövelmann.

Damit hat Urgestein Hövelmann schon früh eines der Elemente kennengelernt, die ihn später beschäftigen sollten: Wasser aus dem Kiesteich des Kalksandsteinwerkes. Das heutige Strandbad hat dort seine Ursprünge.

Überall in dem geräumigen Haus der Hövelmanns sind Zeugnisse des großen und breiten Interesses des agilen Rentners zu sehen. Unterschiedliche Steinsortierungen, ein versteinerter Baumstamm und Ordner, in denen Hövelmann die jüngere Geschichte der Industrialisierung in Hambühren zusammengetragen hat.

Kaliförderung von 1905 bis 1925, Kalksandsteinherstellung, Erdölförderung, die Luft-Hauptmunitionsanstalt Hambühren mit den mehr als 100 Bunkern. „Der Bunker Nummer 102 wurde nach dem Krieg als erster für Wohnzwecke umgebaut“, haben seine Recherchen ergeben. „Das war 1949.“ Von 1939 bis 1945 wurde hier in Ovelgönne Munition hergestellt, getestet und gelagert und bis 1970 förderte die Wintershall Öl.

„Weil ich hier geboren bin“, begründet Hans Hövelmann sein außergewöhnliches Interesse an der Ortsgeschichte. Erst kürzlich hat er wieder wesentlich zur Veröffentlichung eines Buches über die Kalisalz-Geschichte im Aller-Leine-Tal beigetragen.

Er hat dafür gesorgt, dass an der Kreuzung der Bundesstraße 214 mit der Landesstraße eine Lore aus dem Bergwerk Schacht Prinz Adalbert aufgestellt wurde. Er kümmert sich um die restaurierte Pferdekopfpumpe in der Nähe des Strandbades. „Das ist die Pumpe F 300 – die stand über der Bohrung 300.“ Und er war von 1983 bis 1989 Schichtführer der Zivilwache der Bundeswehrkaserne an der B 214 und beobachtete und dokumentierte nach der Wende die Auflösung und das Verschwinden der Kasernenanlage. „Da waren einige Gebäude noch sehr gut erhalten, die hätte man bewahren können“, bedauert Hövelmann.

Von Lothar H. Bluhm