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Hambühren Haus als Fahrradmuseum: Hambührener Walter Weigt sammelt Drahtesel
Celler Land Hambühren Haus als Fahrradmuseum: Hambührener Walter Weigt sammelt Drahtesel
18:05 25.08.2017
Schon immer von Fahrrädern fasziniert: Walter Weigt stilecht gekleidet mit einem Rad von 1920. Quelle: Repro: Christina Matthies
Hambühren

HAMBÜHREN. Der Hambührener ist passionierter Fahrradsammler: „Ich war schon als Kind von Fahrrädern fasziniert – wahrscheinlich weil ich selber keins hatte“, erzählt Weigt und schmunzelt dabei. „Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir uns als Kinder immer für einen Groschen einen Roller ausgeliehen haben – mit dem konnte man dann eine Stunde lang herumfahren.“ Sein erstes Fahrrad habe er von seinem Lehrlingsgehalt abgestottert. „1969 war das – ich hatte gerade meine Lehre als Fahrradmechaniker in Celle angefangen.“

Damit war auch die Sammelleidenschaft des 68-Jährigen geweckt. „Ursprünglich hatte ich mal die Idee, jedes Fahrrad vor der Verschrottung zu retten“, erklärt Weigt. Das sei aber aus Platzgründen irgendwann nicht mehr machbar gewesen. Wenn man dem Hambührener auf einem Rundgang über sein Grundstück folgt, wird einem auch sofort klar, warum: Mehrere Schuppen auf dem Hof sind bereits bis an die Decke mit Fahrrädern vollgestellt. Irgendwann habe er sich mal vorgenommen, jeden Tag mit einem anderen Rad zur Arbeit zu fahren, sagt er. „Nach einem Vierteljahr war ich dann damit durch.“

Weigts Begeisterung für alles, was mit dem Thema Fahrrad zu tun, erstreckt sich bei weitem nicht nur auf den Drahtesel allein. Ob nostalgische Flickzeugdosen, alte Karbid-Lampen, Fahrrad-Klingeln aus allen Epochen, Skulpturen aus Ersatzteilen oder historische Postkarten: Sein Haus ist angefüllt mit Memorabilien, und könnte auch glatt als Fahrrad-Museum durchgehen. Auf Flohmärkten und im Internet hat Weigt seine Schätze erstanden. „Im Prinzip könnten Sie hier ein halbes Jahr Urlaub machen und hätten immer noch nicht alles gesehen“, meint der Hambührener und lacht.

Deswegen verbringt der 68-Jährige seine Ferien am liebsten zu Hause – und ist er doch einmal auf Reisen, lässt ihn die Sammelleidenschaft auch unterwegs nicht los. „Wir waren mal auf dem Weg zum Bodensee“, erinnert er sich. „Als wir tanken mussten, habe ich aus reiner Neugier einen Blick in die Fenster der alten Schmiede nebenan geworfen und eine Karbid-Lampe entdeckt.“ Sofort habe er den Tankstellenbesitzer angesprochen, dessen Vater die Schmiede gehörte. „Ich hatte damals ein altes Bauer-Rad, für das man eine spezielle Kette brauchte und habe den alten Herrn gefragt, ob er sowas nicht zufällig in seinem Fundus hat.“

Wortlos habe sich der Alte umgedreht und sei weggegangen – nur um kurze Zeit später mit zwei dieser Ketten wiederzukommen und sie Weigt einfach in die Hand zu drücken. „Das war das Ende von unserer Urlaubsreise“, sagt Weigt verschmitzt. „Wir haben es zwar noch bis zu unserem Quartier geschafft, sind dann aber gleich wieder umgedreht – ich wollte das Fahrrad unbedingt fertigmachen und eine Runde damit drehen.“

Als gelernter Fahrradmechaniker setzt der Hambührener aus verschiedenen Ersatzteilen übrigens auch schon mal ein komplett neues Rad zusammen, das es so niemals zu kaufen gebe würde. „Ich schraube eben einfach gern.“

Von Christina Matthies