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Hambühren Mit der Olympischen Fackel auf dem Rennrad
Celler Land Hambühren Mit der Olympischen Fackel auf dem Rennrad
16:48 28.07.2017
Peter Gelhoet mit seinem alten Peugeot-Rennrad von 1962 (noch mit Unterrohrschaltung und Crossreifen) und der olympischen Fackel aus dem Jahr 1972, mit der er das olympische Feuer durch Celle getragen hat. Quelle: Christina Matthies
Ovelgönne

OVELGÖNNE. „Vom Harburger Berg bis kurz hinter den Ortsausgang von Groß Hehlen habe ich die Fackel gebracht“, erzählt Gelhoet. „Für mich als gebürtigen Groß Hehlener war das eine besondere Ehre – der Straßenrand war regelrecht gesäumt von Menschen, die ich kannte.“ Befördert hat er das olympische Feuer natürlich stilgerecht mit dem Rennrad – 1972 befand sich Gelhoets Karriere als Crossradfahrer gerade im Ausklang.

Zehn Jahre lang ist der Ovelgönner im Leistungsradsport aktiv gewesen, fünf davon im Nationalkader des BDR (Bund Deutscher Radfahrer). Das Crossfahren hat Gelhoet bereits als kleiner Junge geliebt: „Schon mit elf, zwölf haben wir uns im Wald eine Radrennbahn gebaut“, sagt er schmunzelnd. „Entdeckt wurde ich dann allerdings auf dem Fußballplatz – da, wo heute das Hotel Celler Tor steht.“ Eine lustige Geschichte sei das gewesen, erinnert sich Gelhoet: Alfred Heckemüller, ein in den 1960er Jahren weit über Celles Grenzen hinaus bekannter Radsport-Enthusiast, war mit seinem Rennrad unterwegs – und hatte ausgerechnet am Fußballplatz einen Platten. „Um Rennradreifen wieder aufzupumpen, braucht man eine spezielle Luftpumpe“, erklärt Gelhoet. „Ich hatte damals so eine Art Halbrennrad. Heckemüller entdeckte es, fragte nach der Pumpe und sagte schließlich: 'Mensch, Junge, Du hast da so ein schickes Rad, hast Du nicht Lust, Radrennen zu fahren?'“.

14 Jahre alt war der gebürtige Groß Hehlener, als Alfred Heckemüller sein sportlicher Ziehvater wurde, damals noch beim Radsportverein RV Cellensia. „1963 bin ich dann in Laatzen mein erstes Crossradrennen gefahren, und sicherte mir auf Anhieb Platz vier.“ Drei Jahre später hatte es Gelhoet in die Nationalmannschaft geschafft. Es folgten zahlreiche Plätze unter den Top Ten, der Spitzensportler ist zudem fünf Mal hintereinander Niedersachsenmeister im Crossradfahren geworden. Die Möglichkeit, an den Olympischen Spielen in Deutschland teilzunehmen, blieb ihm allerdings verwehrt. „Cross ist leider keine olympische Disziplin, auch heute nicht.“

Radfahren als Leistungssport zu betreiben, das erfordert Konsequenz und Einsatzbereitschaft. „Zu Nationalkader-Zeiten habe ich fast jeden Tag trainiert – morgens vor der Arbeit, natürlich, wir waren ja keine Profis.“ Sein allererstes Bier habe er mit 28 getrunken, verrät Gelhoet und lacht. „Während meiner Crossrad-Karriere war Alkohol einfach nicht drin.“ Flink und wendig müsse ein Crossradfahrer sein, sagt der Ovelgönner. „Ich war ein richtiger Spiddel – zu meiner aktiven Zeit wog ich bei einer Größe von 1,80 Meter gerade mal 67 Kilo.“ Auch eine gewisse Risikobereitschaft dürfe nicht fehlen, geht es doch beim Cross quer durchs Gelände und dazu noch über Hindernisse.

1973 beendete Gelhoet seine Karriere im Leistungsradsport. „Man muss sich dann irgendwann auch mal um das Berufsleben kümmern“, erklärt er. Die Leidenschaft für das Radfahren ist ihm geblieben. „Ohne könnte ich gar nicht“, sagt der Ovelgönner mit Nachdruck. Auch heute noch fährt er bis zu 80 Kilometer am Stück. „Ich brauche das Gefühl, kräftig in die Pedale zu treten.“ Die olympische Fackel von 1972 durfte Peter Gelhoet übrigens behalten. "Für jeden Fackelläufer wurde extra ein Exemplar angefertigt." 75 Zentimeter groß und knapp 1,4 Kilogramm schwer hat die Fackel inzwischen einen Ehrenplatz neben Gelhoets alten Rennrädern aus den 1960er Jahren, von denen er einige über die Jahre hinweg aufbewahrt hat.

Von Christina Matthies