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Hambühren Mordanklage gegen Ovelgönner erhoben
Celler Land Hambühren Mordanklage gegen Ovelgönner erhoben
18:22 05.11.2010
Ovelgönne

OVELGÖNNE. Wegen Mordes an Hans-Joachim W. aus Ovelgönne klagt die Staatsanwaltschaft Celle einen 20 Jahre alten Ovelgönner an. Der Heranwachsende hatte den Rentner im Verlaufe eines Streits am 8. Juni dieses Jahres erstochen. „Das Tötungsdelikt diente zum Vertuschen einer weiteren Straftat“, begründet Witold Franke die Anklage. Damit sei die Vorraussetzung für eine Mordanklage erfüllt. Der Hambührener Strafverteidiger Jörg Salzwedel will sich auf ein fatales Zusammenspiel von angenommener Notwehrlage und verminderter Schuld berufen. „Die näheren Umstände des Verbrechens sind nicht geklärt“, sagt Salzwedel. „Mord war es auf gar keinen Fall.“

Aus Sicht der Celler Staatsanwaltschaft habe der Angeklagte getötet, um den Raub von vier Stangen sowie vier Schachteln Zigaretten zu vertuschen, erläuterte Franke. Darüber hinaus gehe man davon aus, dass der Angeklagte es in Kauf genommen habe, Gewalt anzuwenden. Angeblich soll der junge Mann versucht haben, mehrere Hundert Euro von W. zu leihen, um Schulden zu begleichen. Während des folgenden Streits soll der 20-Jährige zuerst den Kampfhund von W. und dann den Rentner erstochen haben.

Salzwedel argumentiert, dass sein Mandant weder rechtswidrig gehandelt habe und höchstens vermindert schuldfähig gewesen sei. So ist während der Ermittlungen eine Gaswaffe beim Opfer gefunden worden, die auch während des Streits eine Rolle gespielt haben könnte. „Während der Auseinandersetzung ist die Art der Waffe nicht zu erkennen gewesen“, sagt Salzwedel. Er gehe daher immer noch von einer Notwehrsituation aus.

Zeugen, die den Hund des Rentners kannten, hätten zudem berichtet, dass das Tier angriffslustig gewesen sei. „Der Hund hat meinen Mandanten gebissen, die Waffe kam ins Spiel – das kann zur Panik führen“, erläutert Salzwedel weiter. Somit sei sein Mandant nur eingeschränkt, wenn nicht sogar komplett schuldunfähig gewesen, argumentiert der Verteidiger. Die Sichtweise der Staatsanwaltschaft zweifelt er an. Erst habe die Tötung stattgefunden, danach habe sein Mandant Zigaretten entwendet.

Jetzt kommt es darauf an, ob das Landgericht Lüneburg sich den Ansichten der Staatsanwaltschaft anschließt. Nach Angaben von Franke folgt nach Zustellung der Anklage ein Zwischenverfahren. Das Landgericht muss danach entscheiden, ob es die Anklage in vollem Umfang, modifiziert oder gar nicht zulässt. Danach würde die Hauptverhandlung terminiert werden. Salzwedel berichtet, erster Verhandlungstag könne der 6. Dezember sein.

Von Christian Uthoff