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Hambühren Muna-Räumung abgeschlossen
Celler Land Hambühren Muna-Räumung abgeschlossen
18:03 11.08.2010
Von Simon Ziegler
Muna-Räumung in Hambühren beendet Quelle: Peter Müller
Hambühren

Nach über einem halben Jahr Arbeit ist die Räumung der Weltkriegsmunition zwischen Hambühren II und Ovelgönne beendet. Die Celler Firma Schollenberger hat auf dem Gelände der ehemaligen Lufthauptmunitionsanstalt (Muna) ein ganzes Arsenal an Granaten und Munitionssplitter entsorgt. Gestern stellte Schollenberger-Geschäftsführer Klaus Löhle, der aus Hambühren kommt, die Bilanz vor.

„Wir haben knapp 7500 Stück reine Munition gefunden, darunter 6700 Zwei-Zentimeter-Sprenggranaten. Dazu kommen 550000 Munitionsteile, zum Beispiel Splitter oder aufgerissene und kaputte Stücke“, sagte Löhle. Da das untersuchte Gebiet 600000 Quadratmeter (60 Hektar) groß ist, kommt auf jeden Quadratmeter fast ein Munitionsteil. „Das ist mehr als wir erwartet hatten“, sagte er.

Im November 2009 hatte im Hambührener Forst westlich des Wohngebietes „Grünes Eck“ nach jahrelangem Streit die Räumung begonnen. Bis April 1945 produzierte die „Muna“ Millionen von Flak- und Artilleriegranaten, bevor sie kurz vor Kriegsende unkontrolliert gesprengt wurde – mit den Folgen müssen die Bewohner bis heute leben.

Die Munition wurde seit November schwerpunktmäßig aus einer Tiefe von bis zu 30 Zentimeter aus der Erde geholt. 85 Prozent der Fläche räumten die Schollenberger-Mitarbeiter manuell. Bei den verbleibenden vier Hektar war die Belastung zu groß. Bäume mussten gefällt werden, Bagger trugen die Erde ab, Magneten holten die Munition aus der Erde. In wenigen Fällen wurden die explosiven Hinterlassenschaften als nicht transportfähig eingestuft. Dreimal entschied sich Schollenberger daher zu kontrollierten Sprengungen. Die größte gefundene Granate war über einen Meter lang und hatte einen Durchmesser von 21 Zentimetern. Die Kampfmittelbergung kostete 1,1 Millionen Euro.

Doch Hambühren ist seine Altlasten längst nicht los. Der Bund in Form der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches nur dort die Arbeiten finanziert, wo er dazu verpflichtet war, erläutert Jürgen Klatt vom Landkreis Celle, der sich bereits seit Jahren mit den Hinterlassenschaften beschäftigt. Im Fall der nicht geräumten Grundstücke, etwa südöstlich des Baugebietes Versonstraße, hat der Bund die Verantwortung mit dem Verkauf des Landes auf die neuen Eigentümer abgewälzt. Das Problem: Die Beseitigung würde viel mehr kosten als die Grundstücke wert sind.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Adasch will sich jetzt dafür einsetzen, dass seine Heimatgemeinde endlich alle Altlasten los wird. Am Dienstag gab es mit Klatt und Bürgermeister Rüdiger Harries ein Gespräch mit dem Innenministerium. Adasch: „Das Ministerium wird die Interessen der Gemeinde gegenüber der Bima vertreten.“ Wann und ob diese Gespräche erfolgreich sind, kann derzeit niemand sagen. Ohnehin ist man in Hambühren angesichts der Vorgeschichte skeptisch. „Das wird ein zähes Ringen“, glaubt Harries.