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Hambühren Ohne Kette: Hambührener Peer Tiemer ist mit Kardanantrieb unterwegs
Celler Land Hambühren Ohne Kette: Hambührener Peer Tiemer ist mit Kardanantrieb unterwegs
17:20 18.08.2017
Ein echter Oldtimer: Peer Tiemer hat sein 28-Zoll-Herrenrad im Jahr 1985 gekauft. Quelle: Lothar H. Bluhm
Hambühren

HAMBÜHREN. In stratoblau steht das gepflegte 28-Zoll-Herrenrad mit dem Aufkleber „Fendt Cardano Comfort“ vor dem Haus des 85-jährigen Diplomingenieurs. Ein Rad mit Hinterradfederung, Kardanantrieb und einer Torpedo-Drei-Gang-Nabenschaltung. Dabei ist der Kardanantrieb das Interessante.

„Das Rad habe ich 1985 gekauft. Es ist also ein echter Oldtimer“, schwärmt Tiemer. Nicht für 1000, sondern für 750 Mark hat er das Rad direkt bei Fendt in Marktoberdorf in Bayern bestellt. Aufgrund einer Rücknahmeverpflichtung aus einer Weihnachtsaktion, die Fendt mit einer großen Kaufhauskette durchführte, hatte das Unternehmen 30 Fahrräder auf Lager. „Diese Fahrräder sind absolut fabrikneu, haben allerdings zirka sechs Wochen in Verkaufsräumen gestanden und haben zum Teil minimale Lackkratzer, die wir zwar ausgebessert haben, die aber noch ganz leicht sichtbar sind“, schrieb der damalige Geschäftsführer Peter Fendt im Februar 1985 an den Kaufinteressenten Peer Tiemer und machte das Angebot, ein Fahrrad zum Sonderpreis von 750 Mark zu kaufen.

Tiemer bestellte zwei Tage später ein stratoblaues Fahrrad und legte gleich einen Verrechnungsscheck über 750 Deutsche Mark bei. Wenig später lieferte die Celler Spedition Hübner das Rad nach Hambühren.

„Das war damals eine Menge Geld“, gibt der stolze Eigentümer zu bedenken, aber das war ihm die Sache wert. „Wer hatte damals schon ein Fahrrad ohne Kette?“ Keine Verschmutzung und Beschädigung der Kleidung durch die Antriebskette, das Nachspannen und Ölen der Kette entfällt und Wartungsfreiheit für mindestens 1000 Betriebsstunden wurde garantiert. „Dieses Fahrrad war so anders als andere Fahrräder, das musste ich einfach haben“, erinnert sich Maschinenbauingenieur Tiemer und sagt, dass er selbst immer viele Themen anders herum angedacht hat. Nicht umsonst ist er Inhaber zahlreicher Patente für metallische Hochdruckabdichtungen. „Ich muss immer was anderes haben als andere…“

Ein Kardanwellenantrieb für ein Fahrrad war damals nicht neu, denn schon zur Jahrhundertwende beschäftigten sich Hersteller wie Wanderer und Dürkopp damit. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Kardanantrieb am Fahrrad in Vergessenheit. Die Entwicklung von Autos beeinflusste das Leben.

Seit 1985 hat nunmehr das stratoblaue Herrenrad seinen festen Platz in der Garage Tiemers.

Für entspannte Radtouren mit seiner Frau benutzte er hin und wieder sein kettenloses und gefedertes bequemes Rad. Mal nach Celle, mal in Hambühren oder Oldau, gelegentlich auch über die Allerbrücke in Südwinsen. „Die Niagarafälle bin ich nicht runtergefahren. Aber nach höchstens 10.000 Kilometern, die ich damit gefahren bin, sind es noch die ersten Reifen. Und die Luft hält.“ Dieses Fahrrad steht gewissermaßen als Synonym für die Denk- und Handlungsweise des Besitzers. Es ist eben – im positiven Sinne – anders als die anderen.

Von Lothar H. Bluhm