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Hambühren Starker Jazz vor wenig Publikum
Celler Land Hambühren Starker Jazz vor wenig Publikum
14:30 23.10.2017
Das Lutz Krajenski Trio spielte am Sonnabend im Hotel zur Heideblüte in Hambühren. Quelle: Michael Schäfer
Hambühren

HAMBÜHREN. Es muss schon eine große Ernüchterung für die Neue Jazzinitiative Celle gewesen sein, dass sie höchstens vierzig Gäste begrüßen konnte zum Konzert des früheren Bandleaders von Roger Cicero, Lutz Krajenski, mit seinem Trio im Hotel „Heideblüte“ in Hambühren. Dabei spielten die drei Musiker auf exquisitem Niveau. Nicht nur Krajenski an einer seiner Hammondorgeln faszinierte, sondern auch seine beiden musikalischen Kollegen am Schlagzeug und am Saxofon.

Schlagzeuger Philipp Pumplün versuchte, keinen Moment mit Effekten in den Vordergrund zu treten. Er konzentrierte sich ganz darauf, rhythmische Raffinesse mit Eindringlichkeit in der Klangerzeugung zu verbinden. Diese gelang ihm vor allem dadurch, dass man immer genau hören konnte, welche Materialien er gerade benutzte. So entstanden urtümliche Klangstrukturen, die nichts von den plumpen Effekten vieler seiner Kollegen hatte. Und es gab keinen Schönklang um seiner selbst willen.

Saxofonist Ben Kraef faszinierte gleichfalls, aber gerade nicht mit dem, was viele von Saxofonklängen erwarten. Es gab eben keine einschmeichelnden Melodien und kein sentimentales und schmachtendes Geseufze. Kraef zeigte musikalische Zartheit als Zerbrechlichkeit, aber auch Kraft und Kreativität im Ausgestalten der Vorgaben. Keine Frage: Diese beiden Musiker konnten mit dem Star des Abends voll und ganz mithalten. Ja, am Anfang, als Lutz Krajenski an der Hammondorgel noch mehr durch Grimassen als durch virtuoses und ausdrucksintensives Spiel auffiel, da prägten Saxofonist und Schlagzeuger das erste Set mehr als der Mann an der Hammondorgel. Als dann aber die erste Ballade Krajenski auf eine zunächst zurückhaltende Art in Fahrt kommen ließ, dann zeigte sich doch, dass dieser Musiker auf einem äußerst hohen Niveau zu agieren in der Lage ist.

Nach der Pause folgten nur noch Highlights. Schon Krajenskis nächstes eigenes Stück erwies sich als ein solches. Während die Musiker im ersten Teil stilistisch zwischen modern, cool und Funky Jazz pendelten, spielten sie nun einen ganz eigenen Stil, der viel Raum ließ für die Eigenarten jedes Einzelnen. Besonders reizvoll vor allem auch das, was Krajenski aus seiner Hammondorgel vom Anfang der 60er Jahre herausholt. Dieses frühe elektrische Instrument verfügt über eine klangliche Lebendigkeit, an die kein Keyboard auch nur ansatzweise herankommt. Die möchte man gerne öfter hören.

Von Reinald Hanke