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Hambühren Vater holt in Mexiko ermordeten Sohn heim nach Hambühren
Celler Land Hambühren Vater holt in Mexiko ermordeten Sohn heim nach Hambühren
18:52 28.09.2017
Von Audrey-Lynn Struck
BildunterschriftBildunterschrift Quelle: Eingesandt / Fremdfoto
Hambühren

HAMBÜHREN. „Es hat geklappt. Steffen kommt wieder nach Hause. Gott sei Dank“, sagt Edmund Krzemien. Sechs Wochen hieß es für den 72-jährigen Hambührener und seine Frau zittern, ob die Leiche ihres Sohnes von Mexiko nach Deutschland überführt werden kann. Erst musste der Tote von seiner Ex-Frau identifiziert und von den mexikanischen Behörden zum Transport frei gegeben werden. Doch selbst danach stand das Unterfangen auf Messers Schneide. Der Grund: Die Überführungskosten von 5000 Euro konnte die Familie Krzemien nicht alleine aufbringen. Dank hunderter Spenden wird die Leiche nun in Hambühren beerdigt.

Ein ehemaliger Freund von Steffen, der von der Familientragödie erfuhr, machte die Rückkehr nach Deutschland möglich. „Ich hatte einen wahnsinnigen Drang, den Krzemiens zu helfen und konnte da nicht einfach so wegschauen“, sagt Frank Bourgonje. Kurzentschlossen startete er mit einer eigens erstellten Internetseite sowie über Facebook einen Spendenaufruf.

Weder er noch Krzemien hatten mit der Welle an Hilfsbereitschaft gerechnet. Innerhalb von einigen Tagen hatten sie bereits die Hälfte des Geldes zusammen. „Jeder hat so viel gegeben, wie er konnte“, sagt Bourgonje. Nachdem in der CZ ein Artikel über das Schicksal der Krzemiens erschien, seien die Spenden erneut "explodiert". "Innerhalb von zwei, drei Tagen kamen bestimmt nochmal 2000 Euro zusammen. Das hätten wir sonst nicht in so kurzer Zeit erreicht", sagt Bourgonje.

Eine Geschichte, die eine Freundin ihm erzählte, blieb ihm besonders im Gedächtnis. Ein paar Frauen saßen bei einer Kaffeerunde zusammen, unterhielten sich über das Schicksal der Krzemiens und beschlossen, sich mit einer Spende zu beteiligen. Plötzlich stand die achtjährige Tochter der Gastgeberin in der Küche. Sie hatte alles mitangehört und wollte auch helfen. Also sagte sie: „Ich gebe mein Monats-Taschengeld von acht Euro dazu.“

Nach mehreren Wochen des Ausharrens – „davon wird man ja magenkrank“, so Krzemien – wird die Leiche „hoffentlich“ nächste Woche zurück nach Deutschland überführt. „Natürlich war das für uns eine Bombennachricht“, sagt Bourgonje. Das Bestattungsinstitut Behr-Marwede aus Winsen wird den Toten am Hamburger Flughafen in Empfang nehmen und nach Hambühren bringen. Die Beerdigung ist öffentlich. Schließlich sei die Bestattung nur durch die öffentlichen Spenden möglich gemacht worden, sagt Bourgonje. Der genaue Termin steht aber noch nicht fest.

Der gebürtige Meißendorfer Steffen Krzemien war am 13. August ermordet worden. Er kehrte nach mehreren Monaten Arbeit in der Schweiz wieder nach Mexiko zurück. In seiner Wohnung wartete seine Freundin auf ihn. Die mexikanische Polizei vermutet, dass sie für den Tod von Steffen Krzemien verantwortlich ist. Der 49-Jährige wurde vermutlich aus Habgier erstochen. (als)