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Hambühren Viel mehr als nur ein Poloclub
Celler Land Hambühren Viel mehr als nur ein Poloclub
12:24 18.08.2018
Von Christian Link
Quelle: Christian Link
Rixförde

Sofern Rixförde überhaupt für etwas bekannt ist, dann ist das sein Poloclub. Ansonsten ist die kleine Ortschaft mitten im Wald zwischen Hambühren und Fuhrberg vielleicht noch den Radtouristen ein Begriff, die hier auf der Hambühren-Radroute vorbeikommen. Die paar Häuser haben aber selbst ungeübte Radler schnell hinter sich gelassen. Und das finden die Anwohner, die vor allem ihre Ruhe schätzen, auch gar nicht so schlecht.

„Das Polofeld ist vermutlich das Beste in Deutschland“, sagt Günter Ilper, der am Freitagmorgen um halb zehn gerade seinen Rasen mäht, denn am nächsten Tag hat eine seiner beiden Enkeltöchter Geburtstag, „und da muss es hier ein bisschen ordentlich aussehen“. Der 75-Jährige ist quasi das Urgestein des Ortes, in dem er schon seit 51 Jahren für die Gutsverwaltung zuständig ist: „Ich kenne hier jeden Strohhalm, jeden Menschen und jeden Baum."

Ilper war früher Chef der Celler Kreisjägerschaft, heute ist er Ehrenvorsitzender und immer noch aktiv. „Hier werden über 50 Stück Rotwild im Jahr geschossen“, sagt er. Rehe und Wildschweine lassen sich dagegen kaum noch blicken. Nachdem 2017 noch etwa 80 Schwarzkittel rund um Rixförde erlegt wurden, gab es in diesem Jahr nur einen Abschuss bisher. „Wölfe haben wir hier auch schon gehabt, ich habe sie auf dem Poloplatz lang laufen gesehen“, so Ilper, doch in letzter Zeit treiben sich die Raubtiere wohl lieber bei Fuhrberg oder Wietze herum.

Am anderen Ende von Rixförde sitzt Uwe Lochstampfer gerade in seinem Vorgarten und liest einen Artikel über sein Lieblingsthema auf dem E-Book-Reader: Botanik. Mehr als 8000 Pflanzenfotos hat er auf seiner Internetseite botanikus.de gesammelt: „Ich habe fast alle Botanische Gärten in Deutschland bereist." Über sein Spezialgebiet hat der begeisterte Youtuber zusammen mit seiner Frau Marina sogar ein Buch geschrieben: „Giftpflanzen – Was Pferde nicht fressen dürfen“. Zwei Protagonisten aus seinem Buch hat er selbst im Garten: Roter Fingerhut und Robinie. Vor letzterer warnt Lochstampfer ganz besonders: „Die ist stark giftig, vor allem die Rinde. Da stirbt ein Pferd nach der Einnahme von nur 150 Gramm – und die schmeckt auch noch süß.“

Der 61-Jährige war fast 25 Jahre lang Taxiunternehmer in Hannover. Nach dem Aus der Schwarzen Taxen 2010 wechselte der studierte Sozialpädagoge aber die Branche und machte sein Hobby zum Beruf: Mit seiner Firma „Dat PeerConcept“ hilft er nun bei der ökologischen Pferdehaltung und Weidepflege. „Ich bin ein großer Verfechter von biologischer Landwirtschaft“, sagt Lochstampfer, der sich vor allem mit Bodenverdichtung und Humusregeneration beschäftigt. Seit November 2017 ist er Neubürger in Rixförde: „Nach 27 Jahren in einem Reihenhaus in Langenhagen hat meine Frau gesagt: Ich brauche den weiten Blick.“ Die Ruhe und Abgeschiedenheit habe das Ehepaar nach Rixförde geführt.

„Defragmentierung für den Kopf“

Schräg gegenüber wohnt Dorothee Skiba, die auch erst seit vier Jahren in Rixförde zu Hause ist. Eigentlich war die Mentaltrainierin aus Sehnde gekommen, um hier pferdegestütztes Coaching für Führungskräfte anzubieten. „Aber dann habe ich mich gefragt: Was ich denn eigentlich wirklich will?“, erzählt sie. Und nun bietet die 48-Jährige Energiearbeit und Massagen an: „Das ist wie Defragmentierung für den Kopf. Stress und Probleme werden beiseite geschoben, um wieder mehr Raum für andere Dinge zu haben."

Skibas Reithalle, wegen der sie extra nach Rixförde gezogen ist, bleibt in der Regel ungenutzt. Pferde hat sie aber immer noch, denn beim Mentaltraining für Kinder leisten ihre beiden Ponys gute Dienste. Und auf ihr Portugiesisches Stierkampfpferd Xivago will die frühere Dressurreiterin der Reitsportgemeinschaft Eschede nicht verzichten, auch wenn sie nur noch aus Spaß aufsteigt. „Mein Ziel war es immer, einen Grand Prix zu reiten“, sagt sie. Diesen Traum habe sie sich mit 28 Jahren in Isernhagen erfüllt. „Danach war die Luft raus.“

Mit Daniela Ebert bekam Skiba vor zwei Jahren eine Mitbewohnerin auf dem Hof, die zufälligerweise ganz ähnlich tickt. In Adelheidsdorf hatte Ebert noch eine Zucht für Islandpferde, die sie nach der Trennung von ihrem Ex-Mann aber aufgeben musste. Jetzt betreibt sie nur noch ein „Altenheim“ für Wallach-Rentner: „Die dürfen ihren Lebensabend hier genießen."

Außerdem hat Ebert in Rixförde das Ich-Bin-Institut (IBI) gegründet, wo sie unter anderem Seminarräume vermietet und Mentalcoaching zum Ablegen von schlechten Gewohnheiten sowie Massagen anbietet. „Das Ziel ist Tiefenentspannung für Menschen, die es nicht schaffen, ihr Gedankenkarussell abzustellen.“ Ein bisschen Spiritualität ist ebenfalls mit dabei, was ihr dabei hilft, auch privat die Balance zu finden. Seit 19 Jahren arbeitet Ebert nämlich halbtags als Controllerin für die VHV-Versicherung in Hannover: „Das ist ein sehr bodenständiger Beruf, deswegen ist die Mischung sehr schön.“

Sofern Rixförde überhaupt für etwas bekannt ist, dann ist das sein Poloclub. Ansonsten ist die kleine Ortschaft mitten im Wald zwischen Hambühren und Fuhrberg vielleicht noch den Radtouristen ein Begriff, die hier auf der Hambühren-Radroute vorbeikommen. Die paar Häuser haben aber selbst ungeübte Radler schnell hinter sich gelassen. Und das finden die Anwohner, die vor allem ihre Ruhe schätzen, auch gar nicht so schlecht.

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