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Hambühren Waldbau im Celler Land: "Wir sind keine Räuber mit Motorsäge"
Celler Land Hambühren Waldbau im Celler Land: "Wir sind keine Räuber mit Motorsäge"
18:37 01.01.2017
Hambühren

HAMBÜHREN. Der Hambührener, der den Claas-Hof mit Land- und Forstwirtschaft bis vor acht Jahren in der 16. Generation bewirtschaftete, ist einer von rund 2400 Waldbesitzern im Kreis Celle, die gut 50.000 Hektar Waldfläche haben und in der Forstbetriebsgemeinschaft Celler Land (FBG) zusammengeschlossen sind. „Ich bin kein Einzelkämpfer, sondern das ist ein Verbund von Familie und Kollegen, denn wir sind nicht die Räuber mit der Motorsäge, als die Waldbesitzer oft dargestellt werden.“

Kürzlich wurde er mit der niedersächsischen Forstmedaille für sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement für Forstwirtschaft ausgezeichnet. Denn als Vorsitzender der FBG hat Gudehus die Organisation 15 Jahre lang geprägt. „Ich freue mich, dass mit Volker Hornbostel aus Müden der Übergang im Vorsitz so gut und reibungslos geklappt hat“, sagt Hans-Heinrich Gudehus zum Wechsel in der FBG. „Die Ehrung betrifft alle Beteiligten – ich bin immer nur Moderator gewesen“, rückt Gudehus zurecht, was bei der Laudatio durch den Landwirtschaftsminister kaum ausgesprochen wurde. „Ich war nur Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Celler Land: Die Förster vor Ort sind die eigentlichen Akteure. Wir zusammen kümmern uns um die naturnahen Sachen und nicht nur um die Betriebswirtschaft.“

Kein Wunder, dass Gudehus seinen Anteil an der Dotierung der Medaille für waldpädagogische Aktivitäten gespendet hat. Gudehus: „Früher waren die meisten Eigentümer auch Landwirte, inzwischen kommen viele Waldbesitzer auch aus anderen Bereichen.“

Wald diene zunehmend vielen als sichere Anlageform, denn seit einigen Jahren gewinnt Holz wieder mehr an Bedeutung. Als Industrieholz, als Palettensortiment, als klassisches Bauholz oder als Brennmaterial wird Holz wertvoller.

Mit einem Waldanteil von 45 Prozent gehört der Landkreis Celle zu den waldreichsten Regionen Deutschlands. Dabei sind es überwiegend private Eigentümer, die den Wald über Generationen pflegen und nachhaltig bewirtschaften müssen.

Der Wald stehe unter dreifacher Beobachtung: Als Schutzfunktion, als Nutzfunktion und als Erholungsfunktion, meint Gudehus. Darin sei gelegentlich erhebliches Konfliktpotenzial enthalten. Der Begriff der Nachhaltigkeit sei in der Forstwirtschaft bereits vor 300 Jahren entstanden: „Wir entnehmen dem Wald nur so viel, wie nachwächst“, nennt Gudehus das Credo. „Wenn vor 40 Jahren ein Orkan oder Feuer Waldflächen vernichtet hat, wirkt das für Waldbesitzer so, als sei es erst vorgestern gewesen: Die Zeit zwischen Anpflanzen und Ernte des Holzes beträgt mitunter 80 bis 100 Jahre.“

Das forstfachliche Know-how mit Fragen, wie ein Wald optimal zusammengesetzt sein muss oder welche Bäume wann geerntet werden können, hält dabei die Forstbetriebsgemeinschaft vor. Dazu kommen Fragen des Einkaufs von Material und Pflanzen sowie die Planung, Organisation, Ausführung und Abrechnung sämtlicher Forstbetriebsarbeiten „Der Wald gilt als Sparkasse der Betriebe. Langfristig entsteht so eine Wechselwirkung, die zurzeit ausgeglichen ist.“

Von Lothar H. Bluhm