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Hambühren "Wölfe" bringen Verkehr auf B214 ins Stocken
Celler Land Hambühren "Wölfe" bringen Verkehr auf B214 ins Stocken
09:56 30.12.2016
Oldau

Sie bremste ihren Wagen ab und hielt an. Sie hatte ihre beiden Söhne Max und Luis und zwei Mitschüler aus der KGS Schwarmstedt abgeholt und war auf der Rückfahrt nach Oldau.

Viele Autofahrer hatten gestoppt, weil die Tiere auf die Fahrbahn zu laufen drohten. „Sie waren neugierig, sie schauten uns richtig an“, sagt Nienstedt. Echt hübsche Tiere seien das gewesen, ein Erlebnis, sie gesehen zu haben. Sie sei aber auch froh gewesen, dass sie im Auto saß. Ein Tier war etwas kleiner als das andere. „Die haben ein Halsband“, habe einer ihrer Söhne gesagt. Es sei aber kein normales Halsband gewesen, es war eins mit „so einem Kästchen dran“. Mit ihrem Smartphone machte Nienstedt zwei Fotos von den „Wölfen“.

Die Tiere überquerten die Straße direkt vor ihrem Auto und liefen dann auf dem Radweg weiter. Etwa fünf Minuten habe die Beobachtung gedauert. Nienstedt hatte schon im Januar eine Wolfsbegegnung, sie hatte den toten Wolf an der L 298 zwischen Ovelgönne und Oldau gesehen, das Tier war überfahren worden.

Als Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk die Fotos von Nienstedt sieht, ist er skeptisch. „Solch einen Wolf habe ich noch nicht gesehen“, sagt Tilk, der seit 2013 Wölfe auf dem Truppenübungsplatz Bergen kennt. Gesa Kluth von Lupus, Institut für Wolfsmonitoring und -Forschung in Deutschland, in Spreewitz in der Lausitz äußert sich ähnlich: „Die sehen nicht wie unsere Wölfe aus“. Es fehlten ihnen die gelblichen, die rötlichen Schattierungen im Fell und der Sattelfleck auf dem Rücken. Sie gibt den Hinweis, dass es amerikanische Wolfshunde gibt, die so ähnlich aussehen. Wölfe mit Senderhalsbänder gibt es nach ihren Angaben im Moment nur in Mecklenburg-Vorpommern bei einem Rudel in der Nähe von Lübtheen. „Und die sind da auch noch“, sagt Kluth.

„Nach eingehender Betrachtung der Bilder kommt das Wolfsbüro zu dem Schluss, dass es sich bei den Tieren nicht um europäische Wölfe handelt. Vielmehr gehen wir von Wolfshunden aus“, sagt Achim Stolz, Sprecher des Niedersächsischen Landesamtes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Also sehr wahrscheinlich doch keine Wölfe.

Die CZ recherchiert und findet die Antwort bei Christian Berge in Buchholz, ganz in der Nähe. Er züchtet amerikanische Wolfshunde, zwei seiner Tiere waren Dienstagmittag für eine halbe Stunde allein unterwegs. Berge ist froh, dass die Autofahrer auf der B214 anhielten und seinen Wolfshunden nichts passiert ist. Unter dem Zaun hatten sie sich durchgebuddelt. Also steht fest: Das waren keine Wölfe.

Von Joachim Gries