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Bröckel "Der kleine Prinz" bewegt die Gemüter
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Bröckel "Der kleine Prinz" bewegt die Gemüter
07:57 03.07.2017
Schauspielerin Liza Tzschirner (links) las in der Bröckeler Marienkirche aus dem Buch „Der kleine Prinz“, Sängerin Yasmin Reese (rechts)begleitete die Lesung musikalisch. Quelle: Oliver Knoblich (2)
Bröckel

Von den ersten Sätzen an fasziniert, ließen sich die Zuschauer in die poetische und in vielerlei Hinsicht philosophisch deutbare Geschichte des französischen Schriftstellers hineinziehen – in ein fantasievolles Abenteuer mit und von einem Piloten als Erzähler, der sich den kindlichen Blickwinkel auf die Geheimnisse des Lebens bewahrt hat. Ironie des Schicksals: Saint-Exupéry war selbst ein leidenschaftlicher Pilot. Ein Jahr nach Erscheinen seines erfolgreichsten Werkes wurde er 1944, gerade 44 Jahre alt, bei einem Aufklärungsflug abgeschossen.

Der Pilot in seiner Erzählung muss in der Wüste notlanden und trifft dort den kleinen Prinzen – neugierig, wissensdurstig, naiv. Seinen Heimatplaneten B612, „kaum größer als ein Haus“, hat er verlassen, um seiner eitlen, kapriziösen, bezaubernden, aber sehr anstrengenden Blume (der einzigen dort) zu entfliehen – eine Weile – und um zu lernen.

Wunderbar verstand Liza Tzschirner es, nicht nur zu rezitieren, sondern ihr ganzes darstellerisches Können stimmlich um- und einzusetzen. So erschuf sie, bezaubernd, ein ganzes Kino in der Vorstellungskraft ihres Publikums. Die geweckten Gefühle unterstrich dann in regelmäßigen Abständen Yasmin Reese mit passenden Soul-Balladen: „From a Distance“, „The Rose“, „Have You Seen the Rain“, „Lean on Me“, „You‘ve Got a Friend“… . Mit Phill Collins‘ Liebeslied aus Tarzan, „Dir gehört mein Herz“, rührte sie die Zuschauer zu Tränen, mit „My Way“ demonstrierte sie geballte Kraft und Entschiedenheit und mit dem abschließenden „Halleluja“ holte sie das Publikum in stimmgewaltiger Umarmung mit ins Boot.

Am Ende der Reise durch die Abenteuer des kleinen Prinzen – angefangen bei den Bewohnern der winzigen Nachbarplaneten (dem König, dem Eitlen, dem Säufer und dem Geschäftsmann) bis zur Erde, dem Piloten, den Rosen, dem Fuchs, der Schlange und dem transzendenten Schlussakkord; einer Rückkehr in geistiger Form – hatten die Zuschauer nicht nur einige Ansätze zum Nachdenken über das „Sich-vertraut-Machen“ und die Verantwortung, die damit verbunden ist, bekommen, sondern auch einen rundum bewegenden Abend erlebt, den sie mit Standing Ovations quittierten.

Von Doris Hennies