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Bröckel Ganz Bröckel im Ausnahmezustand
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Bröckel Ganz Bröckel im Ausnahmezustand
15:17 19.02.2012
Von Simon Ziegler
Prunksitzungen Brˆckeler Karnevalsverein am 17. und 18. Quelle: Alex Sorokin
Bröckel

BRÖCKEL. Nach rund einer Stunde Prunksitzung stehen sie hinten auf Tischen und Bänken. „Eieieiei, Karneval in Bröckel, schalala“ schwappt es durch das Gasthaus Zur Post. Irgendwann macht auch die Riege um Präsidentin Monika Krüger auf der Bühne mit. Zünftig wird der alte Gassenhauer geschmissen. Das Programm kann ja warten.

Schon vor Beginn des rund dreistündigen Showfeuerwerks feiert sich das Dorf. Natürlich ist der Saal ausverkauft, gut 300 Leute warten sehnsüchtig auf den Karnevalsklamauk, auf lokale Gags, die schon Eicklinger nicht mehr verstehen dürften und Celler erst recht nicht. Und sie warten darauf, dass Menschen vorne auf der Bühne tanzen, singen, schauspielern und sich zum Obst machen, die im richtigen Leben bei der Post, der Samtgemeinde-Verwaltung oder in der Bäckerei arbeiten.

Los gehts. Präsidentin Krüger eröffnet die Sitzung - und zwar auf kurpfälzisch, die Dame kommt schließlich aus Mannheim. „Bröckel Hopp“, der eigene Karnevalsgruß wird gerufen, die Funken, erstmals in neuer Formation, schwingen zum Radetzky-Marsch ihre Beine. Klar, da wird die erste „Rakete“ gezündet, wie das hier heißt: Klatschen, Trampeln, Arme hoch.

Flott reiht sich eine Nummer an die andere. Christiane bringt eine hübsche Tina-Turner-Parodie auf die Bühne. Stine und Erwin witzeln beim Kreuzworträtsel (Kennst du eine Stadt mit K - Ja, Karstadt), ehe drei Bröckeler Hobbyschauspieler einen Zahnarzt-Schabernack hinlegen, inklusive den unvermeidlichen Riesenbohrern, einem Gummi-Hammer als Narkose-Mittel, blutverschmierten Tüchern und ein paar derben Gesten.

Dass es die kleinen, simplen Tricks sind, die oft die größte Wirkung entfalten, zeigt sich beim Strumpfhosen-Tanz, einer wirklich abgefahrenen Aufführung. Sieben junge Leute sind durch schwarze und weiße Strumpfhosen aneinander gekettet. Das Ergebnis ist eine hübsche optische Verwirrung. Zu wem gehört denn nun welches Bein? Und warum bewegen die sich so komisch?

Spaß, Witze und zahlreiche Anspielungen auf das Geschehen vor Ort („Schützenkönig läuft beim Joggen so langsam, dass er von Frauen eingeholt wird“) stehen bei den Bröckeler Jecken im Vordergrund. Über Politik sollen sich doch die anderen lustig machen. Der zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff spielte am Sonnabend gar keine Rolle, obwohl er ja allerhand karnevalistische Steilvorlagen geliefert hatte. Nein, „Irgendwer steht immer am Fenster“ war das - wohl ziemlich ehrlich gemeinte - Motto in dem 1800-Einwohner-Dorf. Klatsch und Tratsch im Faschingsgewand, so soll es sein.

Höhepunkt war zu später Stunde der Auftritt zweier Brüder, Lukas und Simon, die mit „Was Du sagst und was Du denkst“ auf die Bühne kamen. Das Musikstück, am Keyboard begleitet, spielt sehr feinsinnig damit, dass Menschen sehr oft genau das Gegenteil von dem erzählen, was in ihrem Kopf vor sich geht. Man will schließlich höflich bleiben. Keine Frage, das Kabarett-Stück inklusive satter Pointe könnten die Brüder auch anderswo aufführen, das Publikum würde sich immer amüsieren, so gut war es.

Dass manches ein bisschen sehr albern ist - geschenkt. Dass nicht jeder Witz zündet, völlig egal. Liebenswert und unverkrampft ist es, was die Leute auf die Bühne bringen. Und: Alle feiern mit, die Jugend genauso wie die Altersklasse Ü70. Bröckel Top.