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Bröckel Klangbilder spiegeln Gefühle wider
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Bröckel Klangbilder spiegeln Gefühle wider
17:24 18.09.2017
Quelle: Doris Hennies
Bröckel

BRÖCKEL. „Sphärischer Jazz-Pop“ trifft die Art von Musik nur unzureichend, die das Duo „Land Über“ entstehen lässt. Auf der aktuellen Tour ergänzt Sängerin Katharina Johansson die beiden Musiker und fügt damit den Klangbildern eine dritte Dimension hinzu. Das dichtgedrängte Publikum in der guten Stube des Antikhofs Drei Eichen in Bröckel ließ sich davon zuerst überraschen, dann faszinieren und schließlich begeistern.

Mit dem ersten Anklang des Titellieds der jüngsten CD „Licht“ stimmten Benni Gerlach (Cello) und Karl Herbig (Saxophon) die Zuhörer ein – auf das, was in den nächsten rund zwei Stunden des Konzertes folgen sollte. Der erste Eindruck und ein nur vager Einordnungsversuch dieser verträumt-lautmalerischen Musik: Avantgardistische Lounge mit einem Spritzer Jazz und einer guten Prise Elektro. „Land Über“ arbeiten mit allen möglichen „Elektrospielereien“ zu ihren Füßen – unter anderem Loop-Stations – und bleiben trotzdem sehr pur. Sie holen einfach das an eingespieltem Rhythmus, Hall und Pointierung heraus, was sie brauchen, um das zu optimieren, was sie machen: eine sehr ungewöhnliche, ungewohnte Musik vom Feinsten.

Manches erinnert an chillige Untermalung, anderes könnte als Emotionsträger für Filmszenen komponiert sein. Manches Stück ist vertonte Melancholie, anderes so lautmalerisch, dass man den Wind durch die Bäume streichen, die Brandung am Fels oder die Vögel zwitschern zu hören meint. Einiges ist klang- und tonlastig, anderes trägt das rezitierte Wort … eine melodiöse Wunderwelt, wenn man sie mit geschlossenen Augen genießt. Die Ohren lassen es auf der Zunge zergehen – und die Ausführungen der deutschstämmigen Sängerin aus Schweden und dem Cellisten laden ein, Gedanken und Werdegänge zu teilen, die den Stücken vorangegangen sind.

Dort wo Katharina Johanssons Stimme – akzentuiert, mal glockenhell und elfenhaft, mal anschwellend eindringlich und intensiv – sich einfügt, entstehen neue Musik-Konstruktionen, wird aus bestehenden Zwei-Mann-Stücken des Duos etwas Neues, Eigenes. Die Intensität von Liebesliedern – ob bitter-süß für Dresden oder als „Willkommen“ an den Herzallerliebsten – ist in jeder Form spürbar. Vertonte Worte – ob von Ringelnatz oder Thomas Ritter – erfahren Bedeutung und Achtung von den Interpreten und den Zuhörern gleichermaßen. Da war es nur konsequent, dass am Ende das so aufeinander eingespielte Trio zu Recht mit begeistertem, lang anhaltendem Applaus für ein verzauberndes Konzert belohnt wurde.

Von Doris Hennies