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Bröckel Zahl neuer Windräder völlig offen
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Bröckel Zahl neuer Windräder völlig offen
17:37 09.04.2013
Bröckel

BRÖCKEL. Ein Aufstöhnen war bei den Zuhörern zu vernehmen, als Bröckels Gemeindedirektor Helfried H. Pohndorf in der jüngsten Sitzung des Rates der Gemeinde die Zahl 60 nannte. Der Verwaltungschef beeilte sich aber zu erklären, dass die Zahl möglicher Windkraftanlagen in der Samtgemeinde provokativ gemeint sei: „Die werden nicht kommen“, versicherte er. Vielmehr gehe es ihm darum, über die Zahl die Bürger zum Mitmachen zu animieren. Sie sollten bei der Änderung des Flächennutzungsplans der Samtgemeinde mitarbeiten, bei der es um die Ausweisung weiterer Flächen für Windenergie geht.

In Bröckel stand das Thema auf der Tagesordnung, um der Gemeinde die Möglichkeit einer Stellungnahme einzuräumen. Es sei guter Brauch, die Mitgliedsgemeinden zu beteiligen, sagte Hans-Jürgen Erdt bei der Erläuterung des Verfahrens. Der jetzt vorliegende Planentwurf sei das Ergebnis einer Potenzialanalyse des Planungsbüros Keller aus Hannover. Der Samtgemeinderat habe beschlossen, mit sämtlichen Flächen in das Verfahren zu gehen und die Anregungen abzuwarten. „Wir sammeln Unterlagen und Einwendungen. Nach der Auswertung ergibt sich der Plan, der in die öffentliche Auslegung geht“, sagte Erdt. Im Auslegungsverfahren werde die Gemeinde dann nochmals um eine Stellungnahme gebeten.

Michael Pleick (CDU) sprach von einer möglichen Konzentration der Anlagen um Bröckel. „Wenn ich die geplanten Anlagen bei Uetze dazu nehme, sind wir umzingelt“, sagte Pleick. Er sprach von Beeinträchtigungen durch Schlagschatten, Geräusche und Lichtblitze. „Ich bin dafür, dass man die Lasten auf die Samtgemeinde verteilt“, meinte er.

Bürgermeister Heinrich Behrens zeichnete den bisherigen Verlauf des Verfahrens nach. Investoren hätten Kontakt mit Grundeigentümern aufgenommen, im Juni 2011 habe es dann die Informationsveranstaltung in Eicklingen gegeben. Wenn jetzt die Samtgemeinde Flotwedel mit der Änderung des Flächennutzungsplans der Ausweisung von Windflächen durch das regionale Raumordnungsprogramm zuvorkomme, bestehe die Möglichkeit, dass Samtgemeinde und Mitgliedsgemeinden davon profitierten. „Wir wollen den Finger draufhaben und bestimmen, wo es langgeht.“ Behrens kündigte an, dass er sich bei einer Abstimmung enthalten werde, da er auf Samtgemeindeebene alle Einwendungen abwägen müsse.

Pohndorf und auch CDU-Fraktionschef Hans-Hinrik Berkhan machten deutlich, sie gingen davon aus, dass etliche Flächen im Laufe des Verfahrens von der Karte verschwinden werden. Berkhan fügte hinzu, er halte eine Stellungnahme des Rates für verfrüht. Dem schloss sich der Rat mit sieben Stimmen bei zwei Enthaltungen an.

Rund 120 Bürger haben sich inzwischen dafür ausgesprochen, dass eine Teilfläche südwestlich von Bröckel von Windkraftanlagen frei bleibt. Sonst gehe ein wichtiger Teil der landschaftlichen Attraktivität und damit der Lebensqualität unwiederbringlich verloren. Die Stellungnahme soll in das Verfahren einfließen. „Es wäre schön gewesen, wenn der Rat uns unterstützt hätte“, sagte Dagmar Mania-Machwitz als besorgte Bürgerin nach der Sitzung.

Von Joachim Gries