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Eicklingen Eine Mahnung wegen fast nichts
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18:01 11.09.2013
Eicklingen

„Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ - diesem hehren Anspruch folgt der Landkreis Celle auch in Euro-Zeiten. Anders ist es jedenfalls nicht zu verstehen, dass Eckhard Müller in Eicklingen vor einigen Tagen ein Brief des Landkreises mit einer Mahnung zugestellt wurde. Er habe eine Forderung in Höhe von einem Cent, der schon am 19. April fällig war, nicht beglichen. Müller wurde aufgefordert, den um 2,50 Euro Mahngebühren aufgestockten Gesamtbetrag in Höhe von 2,51 Euro innerhalb einer Woche zu überweisen oder bar einzuzahlen.

Müller hat das sofort getan, denn das Schreiben enthielt auch den deutlichen Hinweis, dass die Kreiskasse als Vollstreckungsbehörde gezwungen sei, bei Nichtzahlung oder unvollständiger Zahlung ein Verwaltungsvollstreckungsverfahren gegen ihn durchzuführen. Gleichwohl ist der Eicklinger wie auch seine Frau Monika der Auffassung, dass der Landkreis bei den Kosten fürs Briefschreiben, Papier und Porto gut auf den einen Cent hätte verzichten können. So könne man sehen, wie Steuergelder zum Fenster raus geworfen würden.

Müller ist ein so genannter Aufstocker, er erhält neben seinem Einkommen Regelleistungen von der Arbeitsagentur, um genug zum Leben zu haben. In den monatlichen Überweisungen ist auch Wohngeld enthalten, für das der Landkreis zuständig ist. Weil Müllers Einkommen ständig schwankt, ändert sich auch ständig die Höhe der Zahlungen, die er von Arbeitsagentur und Sozialamt erhält. Vier dicke Ordner füllen inzwischen die Schreiben und Abrechnungen, sagt Monika Müller.

Im November 2012 war Ehepaar Müller zu viel Wohngeld überwiesen worden, im April 2013 wurden von Monika und Eckard Müller zwei Teilbeträge von zusammen 31,71 Euro zurückgefordert. Monika Müller machte die beiden Überweisungsträger fertig und brachte sie zur Bank. Fataler Fehler: Sie überwies nur 31,70 Euro zurück. „Da hab‘ ich mich wohl einmal vertan“, sagt sie rückblickend.

Warum der Landkreis das Ehepaar auf den fehlenden Cent nicht hingewiesen oder ihn bei einer der nächsten Abrechnungen einfach verrechnet hat, kann sich Monika Müller nicht erklären. „Da kriegst du eine Attacke“, schildert sie den Schreck, als sie den Brief mit der Mahnung öffnete. Dass sie und ihr Mann ein Einzelfall sind, mag sie kaum glauben. „Es wird Leute geben, denen es genauso geht“, vermutet sie.

Kreisdezernent Michael Cordioli sagt, dass ihm ein solcher Fall bisher nicht bekannt geworden sei. Die Mahnschreiben würden vom Computer automatisiert erstellt, etwa 1500 pro Umlauf. Das Programm werde jetzt so geändert, dass künftig ein Sachbearbeiter bei Beträgen von unter zehn Euro noch einmal auf das Schreiben schaue. Einfach mit der nächsten Zahlung verrechnet werden dürfe eine Forderung nicht - auch nicht ein Cent.

Von Joachim Gries