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Eicklingen Schepelse: Idylle kurz hinter Eicklingen
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17:05 23.07.2018
Von Jürgen Poestges
Quelle: Oliver Knoblich
Eicklingen

„Wir sind hier vielleicht 80 Menschen im Dorf. Da wird schon aufeinander geachtet“, erzählt Kluth. Es sind ein paar mehr: Insgesamt wohnen 101 Menschen in dem Dorf. Mit ihrem Mann und zwei Kindern wohnt Kluth seit fünf Jahren in Schepelse. „Wir fühlen uns sehr wohl hier, und nach Eicklingen oder Celle ist es nun wirklich nicht weit.“ Was ihr entgegen kommt. Denn sie unterrichtet Sport und Mathematik am Hermann-Billung-Gymnasium.

Ein wenig weiter die Straße hoch sitzen drei junge Leute im Bus-Wartehäuschen: Die Zwillinge Melina-Sophie und Sarah-Maria Weber und Tjark-Pascal Bohlen. „Wir gehen immer hier hin, wenn wir eine rauchen wollen“, sagt Sarah-Maria. „Was will man denn hier sonst machen, es ist ja nicht wirklich viel los.“ Also fahren sie auch häufiger nach Celle, um etwas mehr „Action“ zu haben.

Die beiden 17-jährigen Mädchen wohnen in der Jugendhilfe Hoste, gleich um die Ecke im Eichkamp. Am Ende der Straße fällt auf der einen Seite das große Haupthaus auf. Gegenüber gibt es Gehege mit Hühnern, Gänsen und Ziegen. Ein Stück entfernt grasen ein Pferd und ein Pony. Ein Rasenmäher brummt hinter dem Haus.

Seit Januar 2016 betreibt Gregor Schroedter die Einrichtung. Er ist als Geschäftsführer tätig, seine Frau und seine Schwester sind ebenfalls dabei. „Wir haben Platz für acht Jugendliche“, sagt der 39-Jährige. „Und wir sind eigentlich immer voll.“ Der jüngste der derzeitigen Bewohner ist fünf Jahre alt, der älteste 17. „Jeder hat sein eigenes Zimmer und wir haben rund um die Uhr Betreuer im Haus.“ Durch den sehr schlanken Verwaltungsapparat komme das Geld vom Jugendamt fast komplett bei den Jugendlichen an.

Die kommen zumeist aus komplizierten familiären Verhältnissen. „Wir sind allerdings kein abgeschlossenes Haus“, sagt Schroedter, der auch stellvertretender Bürgermeister in Eicklingen ist. „Im Gegenteil, wir versuchen, die Eltern immer zu integrieren, wenn es irgendwie möglich ist.“

Gegenüber, auf der Tierwiese, wird regelmäßig gearbeitet. „Es gibt Jugendliche, die können hier alleine arbeiten, andere dürfen ohne Begleitung nicht hierhin“, sagt Schroedter. „Wir haben auch einen internen Dienstplan, den die Kinder aber mitbestimmen.“ Wer muss den Müll raustragen, wer die Bullis putzen.

Konflikte gebe es sicherlich auch hin und wieder. „Die Kinder bekommen ja von zu Hause nicht unbedingt immer die besten Problemlösungen mit.“ Dafür stehen rund um die Uhr die Betreuer zur Verfügung. „Da gibt es dann auch die Möglichkeit, dass sich individuell um die Kinder gekümmert werden kann.“

Jetzt steht den Jugendlichen eine Flugreise bevor. „Die haben sie sich gewünscht“, sagt Schroedter. Wohin es geht, wird aber nicht verraten. „Sie wissen nur, dass es in die Sonne geht.“ Im Flur des Hauses hängt ein Plakat mit Fotos des Ziels und der Entfernung: 3066 Kilometer.

Schepelse liegt ansonsten ruhig in der morgendlichen Sonne, die Hitze nimmt schon unangenehme Formen an. Ein kleiner Junge führt Roller vor einem Haus. Nebenan schiebt ein Mann mit einem Rechen einen Erdhaufen auseinander – Idylle auf dem Dorf. Der dramatische Höhepunkt: Auf der Durchgangsstraße begegnen sich ein Lkw und ein Pkw So etwas wie Rush Hour in Schepelse.