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Eicklingen Strahlende Kunden sind Belohnung für Floristen im Landkreis Celle
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16:42 21.12.2016
Eicklingen

An Lena Sanders Arbeitsplatz duftet es unvergleichlich himmlisch, es strotzt nur so vor leuchtenden Farben und ihre Kreativität wird ständig gefordert. Als Floristmeisterin bereitet sie ihren Kunden mit Blumensträußen oder Pflanzen aller Art täglich eine Freude, findet und gestaltet Blumenarrangements für jede Lebenssituation, für Hochzeiten, Beerdigungen und die Grabpflege, oder als Geschenk für Familie, Freunde und Bekannte.

Dafür braucht es jede Menge handwerkliches Geschick. Die breiten, gut ausgeleuchteten Tische im Arbeitsraum des Blumenhauses Sander in Eicklingen sind immer voll mit verschiedenen Grünsorten, Blumenstielen, Zangen und Messern und auch eine Heißklebepistole liegt stets bereit. Daneben sind zahlreiche Eimer und Bottiche mit Blumen und Grünsorten für die Verarbeitung und Bestellungen aufgereiht. Grüne Drähte in verschiedenen Stärken und Bindebast, mit dem Sträuße zusammengehalten werden, warten auf ihren Einsatz und Grünabfälle sammeln sich auf dem Boden.

Der Tag beginnt für Floristen früh: Neben zwei Lieferungen pro Woche aus Holland, kaufen Mitarbeiter des Blumenhauses Sander an jedem Morgen die Blumen frisch auf den Großmärkten in Hamburg, Hannover oder Braunschweig ein, damit diese pünktlich zur Ladenöffnung bereit zum Verarbeiten sind. Um diese Zeit einzuhalten, müssen sie um fünf oder sogar zwei Uhr früh aufbrechen. Im Geschäft angekommen, schneiden Sander und ihre Kolleginnen dann alle Blumen an, stellen sie in Vasen, um sie im Verkaufsraum anzubieten oder verarbeiten sie zu Sträußen und für Bestellungen der Kunden.

„Unsere eigenen täglichen Blumenbestellungen können wir gut nach Jahreszeiten einschätzen. Man hat irgendwann im Gefühl, was man braucht“, sagt Sander. Sommerblumen seien jedes Jahr um den ersten Mai wieder erhältlich und Geranien und Petunien deshalb zu dieser Zeit besonders gefragt. Um Ostern steige die Nachfrage für Tulpen, Narzissen und Perhlhyazinthen, zur Weihnachtszeit seien Christrosen, Weihnachtssterne und Amaryllis besonders beliebt.

Sander schneidet zarte Rosen in Orange, Rot und Gelb an. Dabei trennt sie auch die untersten Blätter und Dornen ab, sodass sich die Floristen beim Binden von Sträußen nicht verletzen, aber auch, um das Wasser, in das die Blumen gestellt werden, lange sauber halten zu können. „Sonst wird das Wasser schnell trüb und Bakterien wandern in die Blumen, was dazu führt, dass sie nicht lange halten. Das A und O ist außerdem, dass die Vase hundertprozentig sauber ist“, erklärt die Floristmeisterin.

Ihre ausgeprägte Fingerfertigkeit stellt sie unter Beweis, wenn sie mit routinierten Griffen einen Strauß bindet, der ihren Kunden ein Lächeln auf das Gesicht zaubert. Sie beginnt mit der Blumenauswahl – eine große Amaryllis für das Zentrum des Straußes, ein paar Rosen in einem zarten, geeisten Pink und Nelken in Blassrosa – und arbeitet sich von dort über Kiefern- und Eukalyptuszweige nach außen bis zu den schmückenden Blättern ganz am Rand vor. Dabei lässt sie ihrer Fantasie vollen Lauf, zupft immer wieder ein paar Blumen zurecht, schneidet neue Kiefernzweige ab, fügt sie hinzu und zwirbelt Bindebast mit fester Hand um die Bindestelle. Alles ist spiralförmig angelegt, das heißt, die Blumenstiele sollen nicht kreuz und quer hervorstehen, sondern in eine Richtung ausgerichtet sein.

Nach einer Weile wird der Strauß in einer Hand ganz schön schwer. „Man hat als Florist schon ziemlich viel Kraft in den Händen und Armen“, sagt Sander lachend. Drei bis dreißig Sträuße binden die Floristmeisterin und ihre Kollegen täglich, je nach Bedarf. Das kann zehn bis dreißig Minuten oder sogar Stunden dauern, je nachdem, was für ein Strauß entstehen soll und wie groß dieser gewünscht ist. Die Blumen für den Strauß waren schnell ausgewählt, doch die Komposition ist schließlich durchweg harmonisch. Sander begutachtet ihr Werk noch einmal von links und rechts, dann werden alle Stiele mit Messer und Schere auf eine Länge gekürzt und schräg angeschnitten – der Strauß ist fertig.

Im Laufe des Tages bearbeiten die Floristen Bestellungen, stellen für verkaufte Sträuße oder Gestecke neue her und kümmern sich um ihre Kunden, die mit verschiedenen Wünschen in das Blumenhaus kommen. Manche bringen eigene Gefäße mit, um diese von den Floristen bepflanzen oder dekorieren zu lassen, andere benötigen spontan dreißig rote Rosen und wieder andere lassen sich individuelle Sträuße binden, Blumen in Töpfen einpacken oder Fragen zu bestimmten Pflanzen beantworten. Geschenkverpackungen gehen Floristen leicht von der Hand und viele beraten die Kunden auch, wenn es um Dekorationsartikel wie kleine Figuren oder Teelichter geht, die ebenfalls im Blumenhaus angeboten werden.

„Das Schönste für mich ist die Kreativität und die Möglichkeit, sich auslassen zu können und immer etwas Neues zu machen“, sagt Sander. „Wenn mir etwas in den Kopf kommt, kann ich einfach ausprobieren, was daraus wird.“ Dafür stehen ihr neben den zahlreichen Blumen- und Grünsorten viele Hilfsmittel wie Schneespray, Blattglanz oder Glimmer zur Verfügung. Hat eine Floristmeisterin Lieblingsblumen? „Mehrere“, stellt sie fest. „Ich liebe Schneeglöckchen und Christrosen, die im Winter ganz zart aus dem Schnee herausschauen, Tulpen und Skabiosen. Diese gibt es nur im Sommer, aber sie haben bei langen Sträußen eine sehr schöne Bewegung.“

Floristen haben ein breites Wissen, wenn es um Pflanzen und Blumen geht. „Aber es gibt auch immer wieder neu gezüchtete Sorten, die man recherchieren muss. Vieles lernt man in der Ausbildung, aber jede Menge kommt auch danach dazu.“ Voraussetzung für Anwärter seien viel Fantasie und eine freundliche Ausstrahlung im Umgang mit den Kunden. „Und Kopfrechnen sollte man können“, erklärt die Floristmeisterin. „Insbesondere, wenn man einen Strauß für einen vorgegebenen Preis zusammenstellt und bindet, muss man die Preise der einzelnen Blumen schnell berechnen können.“

Eine Kundin kommt in das Blumenhaus, um sich eine kleine Tanne im Topf weihnachtlich herrichten zu lassen. Während sie im Verkaufsraum wartet, eilt Sander durch den Arbeitsraum, füllt den Topf mit Moos auf, setzt die Tanne hinein und dekoriert sie mit einer prächtigen roten Schleife, die sie mit Draht formt. Dann kommt die Heißklebepistole zum Einsatz: Mit geübtem Blick schiebt die Floristmeisterin Tannenzapfen in die Zweige und fixiert sie. Fünf rote Kugeln auf Steckern kommen dazu – die Kundin strahlt. Und das ist eine Belohnung, die für Floristen niemals alt wird.

Von Marlene Schlüter