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Eicklingen Unsichere Zeiten für Sauenhalter
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Eicklingen Unsichere Zeiten für Sauenhalter
19:15 25.08.2017
Von Audrey-Lynn Struck
Quelle: Audrey-Lynn Struck
Eicklingen

Die Landwirte sehen sich vor immer mehr Probleme gestellt. Mit jeder wechselnden Landesregierung würden sie mit einem neuen Katalog an Auflagen konfrontiert. Ein Ende sei bisher noch nicht abzusehen. "Bei vielen ist eine große Unsicherheit zu spüren. Sie fragen sich: Wer verspricht mir, dass ich meine Investitionen auf 20 Jahre verteilen kann", erklärt Martin Albers, Geschäftsführer des Celler Landvolks.

Wahlkampf heißes Thema: Auch bei den Sauenhaltern ist der Wahlkampf bestimmendes Thema. Eine Frage treibt alle an: Wo will die Regierung hin? Unter Rot-Grün kam es in den vergangenen Jahren zu einer Verschärfung der Auflagen für Sauenhalter. Sie sollten die bauliche Struktur der Ställe verändern und die Fläche pro Schwein vergrößern. Doch viele der kleineren Familienbetriebe existieren bereits seit mehreren Generationen. Ihre Gebäude sind schon älter und ein Umbau teuer.

Daten der Viehzählung belegen, dass in Niedersachsen von Mai 2016 bis Mai 2017 rund 100 Sauenhalter, beziehungsweise 5 Prozent der Betriebe, schließen mussten. Die Großinvestoren, die viel eigenes Kapital haben, dürften die gesetzlichen Vorgaben besser verkraften – zulasten der kleinen, bäuerlichen Strukturen. Im Landkreis Celle halbierte sich die Sauenhaltung von ehemaligen 33 Betrieben im Jahr 2010 auf 16 Betriebe im Jahr 2016.

Staatliche Auflagen: "Wir hoffen, dass wir einigermaßen gute Umsätze machen, um die staatlichen Auflagen weiterhin umsetzen zu können", sagt der Eicklinger Sauenhalter Dirk Meier. Der 53-jährige Familienvater leitet seit 1998 den seit mehreren Generationen bestehenden landwirtschaftlichen Familienbetrieb. 1997 stieg er mit etwa 60 Sauen in die Haltung ein. Mittlerweile hat er auf 145 Hektar landwirtschaftlicher Grundfläche eine Ferkelaufzucht mit 900 Sauen.

Obwohl es die letzten Jahre nicht immer rosig ausgesehen hat, ist für Familie Meier an ein Aufhören nicht zu denken. "Das ist der normale Schweinezyklus. Wenn es in einem Jahr gut läuft, wird es im nächsten Jahr schlecht und umgekehrt", sagt Kathrin Meier. Außerdem könne, wer einmal investiert habe, nur schwer wieder aufhören, fügt ihr Mann Dirk Meier hinzu.

Zum Glück haben die beiden einen kleinen Puffer. Bereits 2014 erweiterten sie die Boxengröße im Abferkelbereich. Der momentanen Diskussion in der Politik, für die Sauen mit ihren Ferkeln eine Bewegungsbox zu bauen, sehen die Meiers daher relativ gelassen entgegen. Trotz der eventuellen Kosten, die ab 2022 auf sie zukommen könnten, müsste zumindest der Grundaufbau der Boxen nicht weiter verändert werden.

Schweine in vier Bereichen: Auf einer Stallgrundfäche von etwa 3000 Quadratmetern sind die Schweine in vier Bereichen eingeteilt. In einem Kreislauf durchlaufen die Säue drei Stufen. Zuerst werden sie in einem Deckstall künstlich besamt. Anschließend ziehen sie in den Tragenden Bereich um. Dort sind immer Säue einer Trächtigkeitsstufe zusammen in einer großen Box untergebracht. Damit bei so vielen Tieren dennoch alle genug zu fressen bekommen, gibt es spezielle Futterboxen. Ein Sensor scannt die Ohrmarke der Sau und schüttet in 100-Gramm-Portionen Futter aus, falls die Tageshöchstmenge noch nicht erreicht ist.

Die Sau zieht nach etwa 150 Tagen Tragezeit in den Abferkelbereich um. Hier hat jede Sau eine eigene Box, in der sie ihre Ferkel bekommt und bis zu drei Wochen säugt. Besonders große Ferkel kommen bereits in den Aufzuchtstallraum. Ihren Platz nehmen besonders kleine Ferkel anderer Säue ein, man spricht von einem Ammen-Prinzip.

Weiterverkauf der Ferkel: Nach Ablauf der drei Wochen kommen die Säue zurück in den Deckstall, die Ferkel in den Aufzuchtraum. Wenn die Ferkel etwa 30 Kilogramm wiegen, werden sie an andere Bauern weiter verkauft. Eine Sau kann etwa acht bis neun Mal bis zu 16 Ferkel bekommen, ehe ihre Leistung nachlässt und es zu immer schwächeren Ferkeln kommt. Daher kaufen Meiers alle acht bis zehn Wochen bis zu 80 neue Säue verschiedener Altersklassen. Die Säue, die bereits neunmal geferkelt haben, werden wieder verkauft.

Zum Thema Hausschwein hat Dirk Meier eine ganz klare Meinung. Jedes Schwein, das zum Teil draußen gehalten wird, ist eine potentielle Gefahr für die Umwelt. Zum einen gelangen Schadstoffe wie Amoniak ungefiltert in die Luft, zum anderen ist die Gefahr einer Infizierung größer. Sein Vorschlag: "Wer ein Hausschwein will, soll lieber eine Patenschaft für ein Ferkel in unserem Stall übernehmen."