Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Langlingen Rathing fordert mehr Offenheit
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Langlingen Rathing fordert mehr Offenheit
21:27 29.09.2013
Gesprächsrunde mit (von links) Landessuperintendent Dieter Rathing, Kreislandvolk-Vorsitzendem Jürgen Mente, Moderator Karl-Heinz Friebe und dem Landtagsabgeordnetem und Langlinger Bürgermeister Ernst-Ingolf Angermann.  Quelle: Joachim Gries
Langlingen

„Moderne bäuerliche Landwirtschaft - was muss sie leisten“, unter diesem Motto stand eine Gesprächsrunde gestern im Anschluss an den Gottesdienst in der Scheune von Landwirt Herbert Bock in Langlingen. Pastor Karl-Heinz Friebe, Referent für Kirche und Landwirtschaft im Haus kirchlicher Dienste der Landeskirche Hannover, moderierte, seine Gesprächspartner waren Landessuperintendent Dieter Rathing, Jürgen Mente, Vorsitzender des Kreislandvolks Celle, und Ernst-Ingolf Angermann, CDU-Landtagsabgeordneter, Langlinger Bürgermeister und ehemaliger Landwirt.

„Wir überlegen, wie wir die Betriebe für die Zukunft sichern“, sagte Mente. Dabei spiele auch die Tierhaltung eine Rolle, denn die Böden der Region seien nicht so ertragsstark wie andernorts. Auch liege die Tierdichte mit 0,58 Großvieheinheiten pro Hektar weit unter den Zahlen etwa im Emsland. Landwirte müssten eine gute Ausbildung mitbringen, um abschätzen zu können, wie sie in Zukunft erfolgreich wirtschaften können. „Der den Betrieb absichern will, muss mit der Zeit gehen“, sagte Mente.

Industrielle Landwirtschaft seien Betriebe, wo keine Familie mehr hinterstehe, sondern wo sich Kapitalgeber einbrächten, sagte Angermann. An der Größe allein wollte er es nicht festmachen. Ein Mastbetrieb mit 80.000 Hähnchen werde von den Kritikern als Industrie bewertet, ein Stall mit 15.000 gelte als bäuerlich. Bauten aber sechs Landwirte jeweils einen Stall mit 15.000 Tieren, sei die Zahl von 80.000 Tieren auch überschritten. „Wo ist da der Unterschied?“, fragte Angermann.

Auch das Thema Energiewende kam zu Sprache, dass dem Landkreis nach Mentes Worten bis heute 64 Biogasanlagen beschert hat. Der Maisanbau, 12.700 Hektar in diesem Jahr, gehe langsam zurück, der Getreideanbau stehe mit 16.000 Hektar immer noch an der Spitze. „Ist Biogas erntedankfähig?“, fragte Friebe den Landessuperintendenten. „Wenn es nichts wegnimmt, was den Menschen satt macht, ist das in Ordnung“, lautete Rathings klare Antwort. Die Gesellschaft habe den Abschied von der Atomenergie beschlossen, die Energie müsse aber irgendwo herkommen, sagte Angermann. Der Anbau von Energiepflanzen in der Landwirtschaft sei auch nicht neu. Früher sei Hafer für die Pferde angebaut worden.

In seiner Predigt in der geschmückten Scheune hatte Rathing nach den Schätzen von heute gefragt. Ein Lottogewinn oder ein Gewinn bei Günther Jauch dürfe nicht ablenken vom Wert ganz normalen treuen Arbeitens. Das bedeute, verantwortlich zu sein für Mensch und Tier, mit Ausdauer und Energie, mit langem Atem. Eine Entscheidung benötige Kenntnis und Sachverstand. Der Landessuperintendent sprach von einer Holschuld vor der Entscheidung und räumte ein, dass er diese Holschuld auch nicht immer erfülle. Und er plädierte für eine Offenheit auch dort, wo Tiere leben und wo Tiere geschlachtet werden.

Heute gebe es die Neigung, Tiere zu vermenschlichen. Der Mensch müsse den Mut haben zur Feststellung, „das sind nur Tiere“, sagte Rathing. Er müsse aber auch den Mut haben zu sagen „Tiere sind Tiere, keine Sachen“. Das ein Tier Schmerz fühle, sehe er, aber es leide nicht wie ein Mensch. „Auch wenn Tiere nur Tiere sind, sind sie Geschöpfe Gottes“, unterstrich der Landessuperintendent.

Von Joachim Gries