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Langlingen Stinkender Sand nervt Nachbarn in Langlingen
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Langlingen Stinkender Sand nervt Nachbarn in Langlingen
17:22 07.10.2016
Ernst-IngolfAngermann Quelle: cz
Langlingen

Hollo beobachtete am 20. September, dass mit einem Miststreuer eine dunkelgraue bis schwarze stinkende Masse auf ein abgeerntetes Maisfeld aufgebracht wurde, das vom Landwirt und CDU-Landtagsabgeordneten Ernst-Ingolf Angermann aus Hohnebostel bewirtschaftet wird. Sie löste die Geruchsbelästigung aus, die auch seine Nachbarn registrierten. Zwei Tage später, am Donnerstag, 22. September, stank es noch immer. Hollo rief im Rathaus in Wienhausen an, dort wurde ihm erklärt, man sei nicht zuständig. Die Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer verwies an ihre Zentrale in Oldenburg. Dort fand er am Freitag bei Jelko Djuren, zuständig für den Bereich Düngerecht, Gehör und schilderte seine Beobachtungen.

Am Freitagnachmittag beobachtete Hollo, dass die Fläche mit einem Grubber bearbeitet wurde, drei Tage nach dem Ausbringen. Vorher gegen 13 Uhr hatte er Fotos gemacht und auch eine Probe der stinkenden Masse genommen. Hinterher brachte er in Erfahrung, um was es sich dabei handelte: "das unverdünnte Konzentrat des Bodensatzes aus seinen gereinigten Biogasbehältnissen". Das war Anlass für ihn, ein Verfahren gegen Angermann einzuleiten. "Ich möchte Sie bitten, mir mitzuteilen, gegen welche Vorschriften und insbesondere gegen welche Strafnormen Herr Angermann verstoßen hat", mailte er am vergangenen Sonntag an Djuren bei der Landwirtschaftskammer. Die Antwort steht noch aus.

"Das war Sand", sagt Angermann auf die Frage, was auf dem Acker ausgebracht worden sei. Den Austausch eines Rührwerks habe er genutzt, den Sand aus dem Behälter der Biogasanlage zu entfernen. Eingetragen wurde er mit Zuckerrüben, mit denen er die Anlage füttere. An den Rüben hafte viel Boden. Im Lauf der zwölf Betriebsjahre habe sich am Rand des Behälters eine richtige "Sandbank" abgelagert, die jetzt ausgebaggert und ausgebracht wurde. "Die Erde kommt da hin, wo sie herkam, auf den Acker", sagt Angermann.

Nach seinen Angaben fuhr nach dem Ausbringen ein Traktor mit Messerwalze über den Acker. Sie zerkleinere die Maisstängel, dringe einige Zentimeter in den Boden ein und werfe einen Teil der Erde hoch. Am Freitag sei der Acker dann mit einer Scheibenegge bearbeitet worden.

Ohne den Fall im Celler Land zu kennen, gibt Birgit Blum von der Prüfstelle der Landwirtschaftskammer Niedersachsen eine "pauschale Antwort", wie mit Stoffen aus einer Biogasanlage grundsätzlich umzugehen sei. Flüssige Gärreste, die als Dünger eingesetzt werden, müssen nach ihren Angaben unmittelbar nach dem Ausbringen in den Boden eingearbeitet werden, um Ammoniakverluste zu vermeiden – und den Gestank zu begrenzen. Liegt der Anteil der Trockenmasse bei über 15 Prozent, gelte die Masse als fester Wirtschaftsdünger. Der darf länger auf dem Acker liegen bleiben.

Blum nennt neben den Regelungen zum Umgang mit Gärresten und Gülle noch ein anderes Kriterium: den sozialen Frieden. Wenn es Beschwerden von Nachbarn gebe, weise man den Landwirt darauf hin.

Von Joachim Gries