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Langlingen Was bleibt sind Scherben und Asche
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Langlingen Was bleibt sind Scherben und Asche
16:02 27.02.2012
Brand Langlingen Schlemmer-Ecke Quelle: Isabell Prophet
Langlingen

Tonscherben. Asche. Trümmer. Eine rosafarbene Kinderküche, eine aufgebrochene, leere Schmuckschatulle. Barbiepuppen. Schwarz-verkohlte Wände, geschmolzenes Plastik. Die Überreste einer verbrannten Existenz im Osten Langlingens. Als M. Basntanis ihr Haus wieder betreten darf, bricht sie zusammen.

Am 12. Dezember ist sie mit ihren Kindern bei ihrer Familie gewesen, ihr Mann C. bei einer Weihnachtsfeier. Und in Langlingen brennt ihr Haus.

Um 23.43 rücken die Feuerwehren aus der Region aus, mehr als hundert Einsatzkräfte bekämpfen den Brand. Es ist Brandstiftung, teilt die Celler Polizei am 2. Januar mit. Ein Montag. Der Tag, an dem das Ehepar Basntanis festgenommen wird. Erst er, dann sie. Er kommt nach Celle, sie nach Salzgitter. Beide werden verhört, dürfen später wieder gehen. Für die Staatsanwaltschaft besteht ein Anfangsverdacht wegen schwerer Brandstiftung.

Einer der Gründe, so vermutet er: Ein Feuerwehrmann hatte der Polizei gesagt, es hätten sich kaum Kleidungsstücke in der Wohnung gefunden. Hatten die Basntanis‘ also ihr Haus angezündet, um die Versicherungssumme zu kassieren? Es sieht nicht danach aus. Im Schlafzimmer, in den Kinderzimmern liegen Kleidungsstücke am Boden, durchweichte Hosen, Hemden, Unterwäsche, gut durchmischt mit Scherben und Asche. M. Basntanis überweist weiter die Kaufraten. Jeden Monat zahlt sie für ein Haus, in dem sie nie wieder wohnen wird. Jeden Monat zahlt sie für ein Haus, in dem Scherben und Asche aus dem Dachstuhl regnen.

Wie eine gruselige Ruine steht es nun am Rande des Dorfes, die meisten Fenster zersplittert, die Türen mit großen Brettern vernagelt. Die Basntanis dürfen es in den ersten zwei Monaten nicht betreten, die Polizei will Beweise sichern. Doch andere verschaffen sich Zutritt; eine Tür wird aufgebrochen, die Kasse leergeräumt. Eine Euromünze bleibt zurück, und 20 Cent. C. Basntanis‘ Computermonitor fliegt die morsche Treppe herunter, die Kabel abgeschnitten. M. Basntanis‘ Goldschmuck wird gestohlen und „die Uhrensammlung meines Mannes ist weg“, berichtet sie. Die Familie hat durch den Brand fast alles verloren, am kümmerlichen Rest haben sich andere gütlich getan.

Noch sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen, berichtet Oberstaatsanwalt Lars Janßen. Zu laufenden Verfahren gibt es keine Angaben. Auch die Basntanis‘ wissen nicht, wie es nun für sie weitergeht.

Im Dorf wird geschwiegen, jedenfalls auf Nachfrage. Die Nachbarn haben nie etwas gehört von den angeblichen Beschimpfungen, „scheiß Griechen“, nachts um eins im beschaulichen Langlingen. Andere helfen, Familien aus Langlingen und Bergen spenden Spielzeug und Kleidung, der Pastor, das Jugendamt, die Kollegen, sie helfen. „Wir wollen Danke sagen“, sagt C. und M. nickt. Es ist schwer, in diesem Haus zu sein. „Ich will meine Küche sehen“, ruft die kleine Tochter. Die Spielküche steht sogar noch, wie ein rosa-pinker Elfenbeinturm im schwarzen Chaos, bedeckt mit einer dünnen Schicht Asche.

Von Isabell Prophet