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Langlingen Weber setzt auf Strom aus der Aller
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Langlingen Weber setzt auf Strom aus der Aller
16:48 10.06.2011
Wilfried Weber will in Langlingen an der Schleuse eine Wasserkraftanlage bauen. Quelle: Peter Müller
Langlingen

„Noch ist nicht spruchreif, ob wir die große oder die kleine Variante bauen“, sagt Wilfried Weber, Betreiber des Landgasthauses Allerparadies gleich neben der Langlinger Schleuse. Bei der großen Anlage würde die Kraft von 20 Kubikmetern Allerwasser pro Sekunde genutzt werden, um zwei Schnecken zu drehen, die dann Generatoren zur Stromerzeugung antreibt, bei der kleinen Anlage wären nur 10 Kubikmeter Wasser pro Sekunde für eine Schnecke nötig. In jedem Fall würde das Gefälle von 2,20 Metern zwischen Ober- und Unterwasser ausgenutzt werden

3,60 Meter Durchmesser hat die Schnecke, die durch das Gewicht des Wassers angetrieben wird, 20 Umdrehungen soll sie in der Minute machen. „Die Anlage ist als Fischabstieg anerkannt“, sagt Weber. Es sind immer 20 Kubikmeter Wasser in dem Bottich, in dem sich die Schnecke dreht. Die Baugruppe aus Schnecke und Bottich würde in einem Krafthaus stehen, das über einem noch anzulegenden Gerinne seitlich der Aller errichtet würde. Ob die Anlage südlich oder nördlich des Flusses gebaut wird, ist noch offen.

„Nach dem trockenen Frühjahr tendiere ich zu einer Schnecke“, sagt der 45-Jährige. Damit würden sich auch die Baukosten deutlich verringern. Der Hotelfachmann schätzt sie auf etwa eine Million. Zuschüsse für den Bau kann er nicht erwarten, aber eine auf 20 Jahre festgeschriebene Einspeisevergütung für den Strom. „Ich spekuliere darauf, dass grüner Strom teurer wird und man ihn an der Strombörse verkaufen kann“, sagt Weber. 800.000 bis 1.000.000 Million Kilowattstunden Strom soll die Anlage jährlich produzieren.

Wenn alles klar geht, soll der Bau der Anlage im Oktober beginnen. Und damit würde auch die Durchgängigkeit des Langlinger Wehres für Fische verbessert werden. Den derzeitigen Fischpass aus den 70er Jahren bezeichnet Weber als sehr eckig. „Damals war die Forschung noch nicht so weit.“

Weber ist auf die Idee mit dem Kraftwerk nicht erst durch die aktuelle Diskussion über den Atomausstieg gekommen: Bei einem Besuch in den 90er Jahren im Schwarzwald stieß er auf einen Kraftwerksbau an der Dreisam. Dort musste sehr aufwendig gebaut werden. Weber ließ für die Aller Entwürfe anfertigen, doch der Landkreis winkte damals ab: In die Aller komme nichts rein.

In seinem Hotel und Gasthaus setzt Weber schon seit Jahren auf alternative Energien: Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert Strom, den er zehn Jahre lang auch für ein Elektroauto nutzte. Ein Blockheizkaftwerk sorgt für Wärme und Energie. Das neue Kraftwerk möchte er werblich für sein Haus einsetzen: „Unser Licht machen wir aus dem Wasser“, so ähnlich könnte der Slogan lauten.

Die Aller kennt Weber gut: Er ist stellvertretender Schleusenwärter an der Langlinger Schleuse. Sein Großvater Wilhelm kam 1912 hier her, um die Aufgabe des Schleusenwärters von seinem Onkel Hermann Lüters zu übernehmen. Dessen Vater Heinrich Lüters war hier 1862 der erste Schleusenwärter.

Von Joachim Gries