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Langlingen Wieder traurige Weihnachten für Familie Basntanis aus Langlingen
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17:36 11.12.2013
Marina und Christos Basntanis sind in einer verzweifelten Lage. Quelle: Joachim Gries
Langlingen

Am Morgen des 12. Dezember 2011, heute vor zwei Jahren, war für Marina und Christos Basntanis und ihre drei Kinder in Langlingen die Welt noch in Ordnung. Am nächsten Tag stand die Familie vor dem Nichts. In der Nacht hatte ein Feuer ihr Haus samt Gaststätte im Erdgeschoss in Schutt und Asche gelegt. Die Polizei stellte schnell Brandstiftung fest. Bald konzentrierten sich die Ermittlungen auf Marina und Christos Basntanis, sie wurden verdächtigt, ihr Haus angezündet zu haben. Kurzzeitig wurde das Ehepaar im Januar 2012 festgenommen, das wenige verbliebene Hab und Gut durchsucht.

Fast ein Jahr nach dem Brand erhob die Staatsanwaltschaft Ende November 2012 Anklage wegen vorsätzlicher Brandstiftung und Versicherungsbetrugs gegen das Ehepaar. Ein Prozess vor dem Landgericht Lüneburg kam nicht zustande, das Gericht prüfte die Klageschrift und wies die Ermittlungsergebnisse als unzureichend zurück.

Ende März 2013 lag eine neue Klageschrift vor, die Staatsanwaltschaft hielt an ihren Vorwürfen fest. Am 17. September begann der Prozess vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Celle. Am dritten Verhandlungstag ließ die Staatsanwaltschaft die Anklagepunkte der Brandstiftung und des schweren Betrugs fallen. Wegen versuchten Versicherungsbetrugs wurden Marina und Christos Basntanis am 21. Oktober zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie falsche Angaben zu verbrannten Gegenständen gemacht hatten. Die Verteidiger legten Rechtsmittel ein, sie wollen einen kompletten Freispruch erreichen.

Das Urteil hat an der miserablen Situation der Familie nichts geändert. Geld von der Gebäudeversicherung haben sie bisher nicht gesehen. Der Grund: Auch sieben Wochen nach dem Richterspruch steht das schriftliche Urteil noch aus. Und ohne Schriftstück keine Zahlung. Die sogenannte Urteilabsetzungspflicht beträgt fünf Wochen. "Vielleicht ist das Urteil noch in der Post", mutmaßte gestern Rechtsanwältin Ute Rettel.

Als Marina und Christos Basntanis nach dem Urteil ihr Haus betraten und Videoaufnahmen von den Gegenständen machten, die die Polizei nicht gefunden hatte und auf die sich das Urteil des Versicherungsbetrugs stützt, leitete die Polizei neue Ermittlungen ein. Der Vorwurf: Siegel- und Verstrickungsbruch. "Wir hatten nichts Schriftliches, dass wir da nicht rein durften", sagt Christos Basntanis. Außerdem sei ein Nebeneingang nicht versiegelt gewesen. "Dass die Dinge da sind, kann ich beweisen", fügt der 45-Jährige hinzu.

Am 19. November wurde die Familie informiert, dass alle Türen der Brandruine in Langlingen offen stünden. Erst am nächsten Tag stand für die Polizei fest, dass das Haus noch beschlagnahmt war. Die Türen wurden neu versiegelt. Am 21. November erfuhr die Familie dann von der Polizei in Celle, dass die Richterin das Gebäude freigegeben hatte. Jetzt müssen Basntanis' ihren Besitz selber sichern.

Ihren Besitz, der wertlos ist. Das Haus muss abgerissen werden, der Rest ist Müll. Die Gaststätte war gar nicht versichert. Bei dem Vorbesitzer des Hauses ist noch eine Restzahlung aus dem Mietkauf offen, bei Verwandten und Bekannten sind in den vergangenen zwei Jahren rund 30.000 Euro Schulden aufgelaufen. Freunde haben sich abgewandt. "Wir wurden vorverurteilt, wer soll uns da helfen?", sagt Christos Basntanis.

Nikolaus fiel für Joannis (12), Ekaterini (11) und Christina (8) aus - "wegen Sturm konnte er nicht kommen", wurde den Kindern gesagt. Und Weihnachten? Christos Basntanis lacht. "Von Mitte Dezember bis Anfang Januar haben wir 100 Euro für Nahrungsmittel." An Geschenke ist da nicht zu denken.

Von Joachim Gries