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Wienhausen Ausschuss lässt alle Fragen zu Windkraft im Flotwedel offen
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Ausschuss lässt alle Fragen zu Windkraft im Flotwedel offen
17:21 05.02.2015
Wienhausen

Wo können künftig in der Samtgemeinde Flotwedel weitere Windkraftanlagen gebaut werden? Wer in der Sitzung des Umwelt-, Bau- und Wegeausschusses einen ersten Fingerzeig erwartet hatte, wurde enttäuscht. Nach zweistündiger Beratung und vielen Fragen der rund 50 Zuhörer verwies der Ausschuss die Planungsunterlagen ohne Empfehlung an den Samtgemeindeausschuss und in die Fraktionen.

Vor einem halben Jahr hatte sich der Ausschuss schon einmal mit der Ausweisung von Vorranggebieten für Windkraftanlagen beschäftigt, aber auch damals keine Empfehlung abgegeben. In der Zwischenzeit waren die von Projektierern und potenziellen Investoren zur Verfügung gestellten Untersuchungsergebnisse und Gutachten in die Planungsunterlagen eingearbeitet worden. Dem Ausschuss lagen ein fortgeschriebener Umweltbericht und weitere 34 Unterlagen vor.

Angesichts dieser Informationsfülle sah sich Annemarie Kowalski-Miemert (Bündnis 90/Die Grünen) nicht in der Lage, ihre Pflichten als Ratsmitglied gewissenhaft zu erfüllen und stellte vor Beginn der Diskussion den Änderungsantrag, von einer Beschlussfassung abzusehen. Zudem fehlten Unterlagen, monierte die Ratsfrau. Ihr Antrag wurde von den anderen Ausschussmitgliedern abgelehnt.

Planer Michael Keller erläuterte, dass zwei Teilflächen aufgrund der zusätzlichen Gutachten wieder als mögliche Windkraftflächen in die Unterlagen aufgenommen worden seien. Die Teilfläche 6.1 sei geschrumpft, die Teilfläche 6.1a sei herausgefallen, die dort bereits stehenden Windgeneratoren hätten aber Bestandsschutz. 6.1a und 9 würden künftig als Flächen für die Landwirtschaft ausgewiesen. Die Flächen 6.1 und 6.2 lägen zwar im Überschwemmungsgebiet, dort können aber Windkraftanlagen gebaut werden, wenn entfallende Retentionsflächen an anderer Stelle ersetzt würden, so Keller.

Nach einem unveröffentlichten Erlass der Landesregierung werde von den Kommunen erwartet, dass sie drei Prozent der Flächen, auf denen Windkraftanlagen möglich wären, als Konzentrationsflächen ausweisen. Nach dem derzeitigen Planungsstand würde die Samtgemeinde 5,6 Prozent erreichen. "Sie könnten auf die ein oder andere Fläche verzichten", sagte Keller, machte aber deutlich, dass es sich lediglich um ein Planspiel handle, da der Erlassentwurf nicht rechtskräftig sei.

Nachdem der Landschaftsarchitekt Professor Thomas Kaiser erläutert hatte, dass der Umweltbericht darstelle, ob es beim Bau von Windkraftanlagen zu Umweltschäden komme und wie schlimm diese Schäden seien, stelle Ausschussvorsitzender Karl-Heinz Pickel die Öffentlichkeit her und ließ für gut 40 Minuten die Zuhörer zu Wort kommen. Das nutzte Dagmar Mania-Machwitz aus Bröckel, die Ausschussmitglieder zu fragen, wie stark ihr Ort von Windkraftanlagen eingekreist werden dürfe. "Es liegt in Ihrer Verantwortung, was mit unserem Ort passiert", stellte sie fest und richtete später die "eindringliche Bitte" an den Bauausschuss, die Flächen 6.1. und 6.2 zu streichen. "Sie müssen das nicht tun, aber sie können das tun", sagte sie.

"Es ist der richtige Weg, dass sie den Politikern sagen, was sie nicht wollen. Die Politikern sollen aufgrund der Fakten entscheiden. Das ist der richtige Weg", erläuterte Keller. Doch hatte Heinrich Behrens, Bürgermeister in Bröckel, noch gesagt, dass in der Sitzung über jede Teilfläche beraten werde, kam es dazu nicht. Er habe seine Informationen gesammelt, sagte sein Fraktionskollege Hermann Rodenberg aus Eicklingen später. "Wir werden alle Bedenken vernünftig abwägen" sagte er und beantragte, das Thema ohne Empfehlung an den Samtgemeindeausschuss und in die Fraktionen zu verweisen. Dem stimmte der Ausschuss nach gut zwei Stunden Beratung zu.

Von Joachim Gries