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Wienhausen Barock-Leidenschaft fasziniert im Kloster
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21:40 30.09.2018
NeoBarock. Quelle: unbekannt
Wienhausen, Sportplatz

Das war musikalische Leidenschaft pur. Denn diese Spezialisten Alter Musik gehen in ihrem Spiel ihrer Leidenschaft nach und können dies auch direkt den Zuhörern vermitteln. Da musste man sogar als Skeptiker der historisch informierten Aufführungspraxis zugeben: So reißt Alte Musik mit! Und dann stört es auch nicht, dass häufig nachgestimmt wird, was letztlich eben doch störend ist für den Hörer. Und es ist auch nicht sonderlich von Bedeutung, wenn mal eine virtuose Passage wie beim Bach-Doppelkonzert etwas verrutscht. Die Gesamtwirkung zählt. Und die war so, dass man gerne noch viel länger zugehört hätte.

Am besten in Erinnerung von diesem Abend wird wohl eine „Follia“ von Vivaldi bleiben, die rekonstruierte Urfassung des Doppelkonzertes für zwei Violinen als Triosonate von Bach und die Partia VI des kaum bekannten böhmischen Musikgenies Heinrich Ignaz Franz Biber, der zwar in Österreich wegen seines Wirkens in Salzburg zunehmend in seiner Bedeutung erkannt wird, bei uns aber immer noch gar zu selten auf den Programmen steht. Dessen Musik vom Ende des 17. Jahrhunderts nimmt teilweise Vivaldi genauso vorweg wie den mittleren Bach und Händel.

Die Musiker des Ensembles NeoBarock machten das sehr deutlich, indem sie die Modernität dieser Musik radikal ausspielten und die emotionale Aufgeladenheit genauso vermittelten wie die Originalität in Stimmführung und Harmonik. Die Nähe zu Vivaldis gleichfalls enorm moderner „Follia“, die ungefähr zehn Jahre später entstanden ist, war verblüffend. Auch diese wurde vom Ensemble NeoBarock mit geradezu überrumpelnder Musizierlust und Musikalität dargeboten, dass man nur so staunte. Manch einer mag diese Wiedergabe als den Höhepunkt des Abends angesehen haben. Es wäre nachvollziehbar, aber nicht ganz gerecht, denn auch der zweite Programmteil hatte zwei Stücke in besonderer Aufführungsqualität zu bieten.

So beeindruckte besagte d-Moll-Triosonate von Bach in ähnlichem Maße. Hier erschien es verblüffend, dass man in dieser reduzierten Version nichts vermisste, sondern im Gegenteil: Es kam das Zwiegespräch zwischen den beiden Solisten Maren Ries und Kerstin Linder-Dewan sogar besser herüber als in der Konzertfassung, denn hier lenkte nichts von dieser besonderen musikalischen Zweisamkeit ab, die zudem noch durch den Basso Continuo am nicht nur schön und erstaunlich voluminös klingenden und auch noch auffallend gekonnt von Stanislas Gres gespielten Cembalo und am Cello der Ariane Spiegel vervollständigt wurde. Dieses Ensemble sollte regelmäßig in Celle zu hören sein. Ein ganz starker Abend.

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