Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Wienhausen Bequemer Drahtesel mit Kultfaktor
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Bequemer Drahtesel mit Kultfaktor
12:13 13.10.2017
Michael Krebs hatte schon immer Hang zu außergewöhnlichen Fahrrädern. Früher zum Tandem (kleines Bild oben), jetzt zum Pedersen-Rad (großes Bild und Detailfoto). Quelle: Michael Schäfer
Wienhausen

Das Fahrrad in Michael Krebs‘ Hofeinfahrt wirkt ausgesprochen groß. „Wollen Sie mal eine Runde damit drehen?“, fragt er. „Ich sage Ihnen, wenn Sie einmal Pedersen gefahren sind, wollen Sie nie mehr etwas anderes.“ Das Ende des 19. Jahrhunderts vom Dänen Mikael Pedersen entwickelte Fahrrad ist nämlich etwas ganz Besonderes: Sein Sattel wird wie eine Hängematte aufgehängt – „unglaublich bequem“, schwärmt Krebs. Den Rahmen des nach ihm benannten Designklassikers konstruierte Pedersen dann praktisch um den Sattel herum. Das Ergebnis? Ein Rahmen, der nur aus Dreiecken besteht und dabei unglaublich filigran anmutet. „Früher haben die Leute über dieses Fahrrad gelacht“, erzählt Krebs. „Aber heute wissen die Leute, dass ein Pedersen-Rad ein Schatz und richtiggehend Kult ist.“

„Unkonventionelles begeistert mich“, sagt der pensionierte Oberstudienrat, der zuletzt am Ernestinum in Celle Latein unterrichtet hat. Und das Fahrrad sei sowieso eine der genialsten Erfindungen, die es gibt, erklärt der 74-Jährige. „Überlegen Sie mal: Es gibt Millionen Räder, und was alles damit gemacht wird.“ Schon früher hatte Krebs eine Schwäche für ungewöhnliche Fahrradtypen. „Als meine drei Kinder noch klein waren, sind wir oft mit der ganzen Familie mit dem Tandem gefahren“, verrät er schmunzelnd. „Meine Frau oder ich hatten unser Jüngstes dann in einer Trage auf dem Rücken.“ Mit Kindern in dem Alter einen gemeinsamen Ausflug mit dem Rad zu unternehmen, das sei eben am besten mit dem Tandem zu bewerkstelligen gewesen, sagt Krebs. Er lacht. „Später sind wir dann mit dem Tandem auch mal zur Unterhaltung beim Sportfest in der Schule aufgetreten.“

Das Tandem ist inzwischen längst eingemottet – sein Pedersen-Rad aber hält Krebs in Ehren. Hier kommt für den 74-Jährigen eben alles zusammen: Ästhetik und das besondere Fahrgefühl. Gefunden hat er seinen Schatz in einem Fahrradladen in Holland – „das muss schon über 30 Jahre her sein“, erinnert er sich. Er habe ein Pedersen im Schaufenster entdeckt und sich gesagt, ausprobieren könne man es ja mal. „Die Probefahrt war dann einfach göttlich. Mein einziges Problem war, dass dieses Modell ein bisschen zu hoch für mich war. Pedalieren ging, an der Ampel aber bin ich mit den Füßen gar nicht auf den Boden gekommen.“ Der Händler habe dann noch ein zweites Modell im Lager gehabt, bei dem sich die Höhe verstellen ließ – und der Kauf des ungewöhnlichen Fahrrads war beschlossene Sache.

Für sportliche Höchstleistungen ist ein Pedersen-Rad allerdings eher ungeeignet: „Das Rad ist zum Flanieren gedacht“, erklärt Krebs. „Es macht einfach gute Laune, wenn man sich in den Sattel schwingt und damit durch die Landschaft gondelt.“ Und ein Hingucker sei das Kult-Rad sowieso, fügt der Wienhäuser noch hinzu. „Sie glauben gar nicht, wie oft ich angesprochen werde, wenn ich damit unterwegs bin.“

Von Christina Matthies