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Wienhausen DDR-Schriftstellerin Jenny Erpenbeck bei Lesung in Wienhausen Tribut gezollt
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17:10 29.04.2018
Franziska Mencz las Passagen aus Erpenbecks Familiensaga „Aller Tage Abend“. Quelle: Oliver Knoblich
Wienhausen

Ein jüdisches Baby stirbt 1902 im galizischen Städtchen Brody. Oder doch nicht? Nimmt sich als unglücklich verliebte junge Frau im Wien des Jahres 1919 das Leben. Oder doch nicht? Stirbt 1938, zu Unrecht als angebliche trotzkistische Spionin denunziert, in einem Lager Stalins. Fällt als gefeierte DDR-Schriftstellerin die Treppe hinunter. Stirbt nach der Wende als von allen Vergessene in einem Berliner Altersheim. Oder doch nicht? Grandios erzählt Erpenbeck in ihrem epochalen Roman von der Reise durch die vielen Leben, die in einem einzigen Leben enthalten sein können.

Kultur- und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts, familiäre und persönliche Verstrickungen, das alles verwebt Erpenbeck hier zu einem kunstvollen Schicksals-Teppich – und Mencz zollt dem lebendigen Erzählstil der ostdeutschen Autorin an diesem Abend meisterhaft Tribut, gelingt es ihr doch immer wieder, beim Vorlesen mit unterschiedlichen Tempi und Rhythmen zu spielen.

„Am Ende eines Tages, an dem gestorben wurde, ist längst noch nicht aller Tage Abend“: Sätze wie diesen bringt Mencz mit der nötigen Dramatik – und doch ohne jedes Pathos. Die Schauspielerin überzeugt mit wandlungsfähiger Stimme und ausdrucksvoller Mimik. „Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün und lass mir an dem Bache die kleinen Veilchen blühn“, singt sie leise, fast unhörbar, als sich gegen Ende des Buches die inzwischen 90-jährige Hauptfigur innerlich auf den Tod vorbereitet – und so manchem Zuhörer läuft an dieser Stelle ein kleiner Schauer über den Rücken.

Stimmig auch die Begleitung durch Miran Zrimsek am Cello sowie Michael Rettig am Klavier. Man habe die Stücke eigens für die Lesung komponiert, hatte Rettig zu Beginn der Veranstaltung verraten – und in der Tat, die musikalischen Intermezzi ergänzen die rezitierten Textpassagen in nahezu perfekter Weise. Sehnsuchtsvoll, fast klagend mutet Zrimseks intensives Cello-Spiel an, immer wieder ergänzt von Rettigs fingerfertigen Ausflügen ins Drama. Insgesamt eine gelungene musikalische Lesung, die der sprachlichen Wucht von Erpenbecks Roman gerecht wird.

Von Christina Matthies

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