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Wienhausen Dieter Hufschmidt mit dem „Faust“ in Wienhausen zu langatmig
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Dieter Hufschmidt mit dem „Faust“ in Wienhausen zu langatmig
16:39 03.03.2015
Wienhausen

Goethes „Faust“: Gerade läuft das „Stück aller Stücke“, wie es manch Deutschlehrer bezeichnet, im Celler Schlosstheater, da kommt der Kulturkreis Wienhausen auf die Idee, sein Programm mit einer „Faust“-Lesung fortzusetzen. Und greift dabei auch gleich hoch. Man holte keinen ambitionierten Kleindarsteller, der sich über den Goethe-Text hermachen darf, sondern engagiert den Doyen der hannoverschen Schauspielszene Dieter Hufschmidt.

Jahrgang 1935 ist Hufschmidt, ein Schauspieler der alten Schule. Das ist gerade bei einem so literarischen Text Gold wert. Spricht doch Hufschmidt den auf eineinhalb Stunden konzentrierten Text mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre die historische Sprache Goethes für ihn Alltag.

Bewundernswert, ja geradezu unwirklich war es, wie sicher der Schauspieler über diese Unmengen von Text verfügte. Jedoch nützt die Bewunderung für die Beherrschung des Handwerks nur bedingt etwas, wenn der Abend letztlich doch langatmig, phasenweise gar langweilig wird, wie das im Wienhäuser Sommerrefektorium zu erleben war.

Hufschmidt kann ganz wunderbar von dem Text erzählen. Und von seinem Umgang mit dem Goethe-Stück. Wenn er dann aber anfängt, den Text auswendig zu rezitieren, dann wird es schnell problematisch. So sinnfällig es schien, die Interpretation des Faust-Gretchen-Konflikts in den Mittelpunkt des Vortrags zu rücken, so problematisch war es, dass er mit seiner Stimme die verschiedenen Figuren nicht abgrenzte. So blieb immer wieder unklar, ob einzelne Stellen von Hufschmidt in die Figur des Faust hineinprojiziert wurden, ob gerade ein Dialogpartner Fausts spricht oder ob das wirklich alles Fausts Stimme ist. Da fehlte es an Präzision in der Umsetzung.

Und vor allem: Der Vortrag war in seinem inneren Rhythmus viel zu wenig strukturiert. Da gab es kaum Tempowechsel, kaum einmal ein Spiel mit der Musikalität dieser Sprache. Und so blieb der Handlungsverlauf unklar. Man konnte sich zwar immer wieder erfreuen an der so natürlich vermittelten großartigen Sprache Goethes, aber einen dauerhaften Eindruck hinterließ dieser Abend nicht.

Von Reinald Hanke