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Wienhausen Diskussion nach Unfall in Wienhausen: Fahrtauglichkeitsprüfung für Senioren?
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Diskussion nach Unfall in Wienhausen: Fahrtauglichkeitsprüfung für Senioren?
18:13 05.02.2014
Von Christopher Menge
Viele Senioren sind auf ihr Auto angewiesen, um am - gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Laut ADAC machen sie Altersschwäche durch Erfahrung wett. Quelle: Patrick Pleul
Wienhausen

Ein 82-jähriger Mann steigt am Wienhäuser Schlossgarten in sein Auto und will ausparken. Der erste Versuch missglückt – der Fahrer stößt gegen den daneben parkenden Nissan, ohne dass der Rentner dieses bemerkt. Auch der zweite und dritte Versuch missglücken, sodass eine Frau aus dem Nissan springt und den alten Mann an weiteren Ausparkversuchen hindert. Diese Polizeimeldung vom Freitag, die die Überschrift „Rentner sollte seinen Führerschein besser abgeben“ trug, hat auf der CZ-Facebook-Seite eine Diskussion ausgelöst. Sollte es für Senioren eine Fahrtauglichkeitsprüfung geben?

„Lkw-Fahrer müssen ihren Führerschein immer erneuern“, sagt Sandra Seifert, „warum sollten das nicht auch Rentner machen?“ Auch Sina Ge hält eine zweite Führerscheinprüfung für Senioren für sinnvoll. „Viele sehen einfach nicht ein, wann Schluss ist und hören nicht auf ihre Familie“, so die CZ-Leserin. Heidi Schulz geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie fordert alle zwei bis drei Jahre ein Tauglichkeits- und Gesundheitstest beim Arzt – und das bereits ab 50 Jahren.

„Stell dir vor du wärst alt und hättest kein Auto“, sagt dagegen Gaba Mertins, „Tante Emma-Läden gibt es nicht mehr um die Ecke und die Busanbindungen sind schlecht.“ Auch der ADAC betont, dass die Verfügbarkeit des Pkws die Voraussetzung für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sei. „Zudem gibt es keine stichhaltige Begründung für die Forderung nach einer vorgeschriebenen Eignungsbegutachtung ab einem bestimmten Alter“, betont Andreas Hölzel, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Automobilclub.

Senioren seien sicher unterwegs. „Altersbedingte Leistungseinbußen wie abnehmende Sehkraft, Nachlassen der Beweglichkeit und der Reaktionsfähigkeit können größtenteils durch Erfahrung, Besonnenheit und Ruhe kompensiert werden“, sagt Hölzel, „Senioren treten wesentlich seltener als Unfallverursacher auf als es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht.“

Das bestätigen auch die Zahlen der Celler Polizei. Von den 3040 Unfallverursachern im Jahr 2012 waren nur 466 65 Jahre oder älter. 519 waren dagegen zwischen 18 und 24 Jahren jung. Einen Personenschaden verursachten sogar nur 34 Senioren, dafür aber 80 Fahranfänger. Insgesamt gab es 330 solcher Unfälle.