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Wienhausen Duo Pianoworte zu Gast im Kloster
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Duo Pianoworte zu Gast im Kloster
18:39 22.09.2013
Wienhausen

„Legenden und Gebete“, so nennen der frühere Schlosstheaterschauspieler Helmut Thiele und Pianist Bernd-Christian Schulze ihre neueste CD, mit deren Programm die beiden im Celler Raum weit bekannten Künstler im Sommerrefektorium des Klosters Wienhausen gastierten. Es wurde ein sehr hörenswerter Abend vor allerdings wenig Publikum.

Einmal mehr erwies sich das sehr spezielle Repertoire dieses sich „Duo Pianoworte“ nennenden Künstler-Paars als höchst interessant. Allerdings hielt sich die musikalische Faszination in Grenzen, denn abgesehen von den einfallsreich und oft doppelbödig vertonten Blumengebeten aus der Feder von Heinrich Gattermeyer erwiesen sich die Kompositionen als wenig substanzreich.

Frieder Meschwitzens Vertonung des „Rotkehlchen“ von Selma Lagerlöf klingt arg epigonal wie eine Mischung aus simplifizierter Spätromantik, ein bisschen Debussy, eine Spur Jazz, vielen 08-15-Harmoniefolgen wie in banal illustrierenden Filmmusiken. Des gleichen Komponisten Vertonung von Matthäus 1, Vers 16 war auch nicht viel origineller, jedoch hatte diese in der textlichen Faktur ihren besonderen Reiz.

Ganz anders war es bei Gattermeyers „Blumengebeten“ nach Texten von Wilhelm Rudnigger. Hier war die Vertonung weitaus kreativer als die etwas zu offensichtlich auf äußeren Effekt geschriebenen Texte. Gattermeyers geradezu klassisch anmutende, ganz eigenständige Musik als Mischung aus Postmodernität und Tradition war sehr hörenswert. Und, wie immer bei diesem Duo, war die Umsetzung sehr gekonnt und gekennzeichnet von großer Pointiertheit in Sprache und musikalischem Spiel. Auch Christoph Kellers „Christophorus“-Stück gelang in diesem Sinne sehr gut, wenngleich das klanglich trotz manch schiefer Klänge sehr konventionelle Stück wenig überzeugen konnte.

Man wünscht sich für dieses so ungewöhnliche Duo, dass ihnen von ambitionierteren Tonsetzern unserer Zeit weitere Stücke geschrieben werden, die sich dann vielleicht mit historischen Werken kombinieren lassen.

Reinald Hanke

Von Reinald Hanke