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Wienhausen Ein Chor aus einer anderen Liga in Wienhausen
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Ein Chor aus einer anderen Liga in Wienhausen
10:59 03.07.2014
Der philippinische Chor Novo Concertante Manila kitzelte unter - der Leitung von Arwin Tan (vorne) jede Emotion aus der Musik. Quelle: Alex Sorokin
Wienhausen

Ein großes Plakat zu sechs Konzerten in und um Hannover herum weckte Interesse: Ein philippinischer Chor auf Tournee wurde da angekündigt. Und bei den meisten Konzerten gab es noch einen zweiten Chor, der auf diesem Plakat vermerkt war. Für das Konzert in der Marienkirche Wienhausen war das Egon Ziesmanns Junger Chor Celle, der sicher weit und breit beste nichtkirchliche Chor. Und dieser immer wieder mit Sangeslust und großem Können überzeugende Chor soll als „Vorgruppe“ für den Chor Novo Concertante Manila auftreten? Man fragte sich, ob man damit dem Gastchor einen Gefallen tun würde.

Schon bei den ersten Tönen des Celler Chores konnte Ziesmanns Truppe mit den bekannten Qualitäten überzeugen. Ob die virtuos-originelle Bearbeitung von „Heißa Kathreinerle“ oder Christoph Hillers „Little Smile“, jedes Stück gelang. Sogar das in solch wunschkonzertartigen Programmen unvermeidliche Spiritual hatte Format jenseits albernen Schalschwingens pseudolockeren Chorgesangs anderer Formationen.

Nach diesem sehr guten Anfang soll der Gastchor den Eindruck noch steigern? Unglaublich, aber wahr: Die Philippinen machten schon bei den ersten Tönen klar, dass sie in einer ganz anderen Liga singen. Die Klangqualität, die Homogenität, die Differenzierbarkeit und auch die solistischen Einzelstimmen, all das ist jenseits jeder Diskutierbarkeit. Dieser Chor verbindet größte Disziplin mit innerer Freiheit. Er wirkt genauso konzentriert wie locker. Kein Wunder, sind diese Sängerinnen und Sänger doch so gut geschult, dass sie nicht nur das komplette Programm auswendig beherrschen, sondern auch noch in gemischter Aufstellung auftreten, was bedeutet, dass die Sänger nicht in Stimmgruppen aufgeteilt stehen. Das verlangt eine enorme Sicherheit und wird daher nur selten praktiziert.

Schon die ersten beiden Nummern setzten Maßstäbe. Chorleiter Arwin Tan kitzelte jede Emotion aus dieser Musik, spannte dabei ganz weite Bögen, die nie aufzuhören schienen. Des Chormitglieds Ralph Hoffmann wohl für „seinen“ Chor geschriebenes Werk faszinierte genauso wie alle anderen Stücke, gleich ob aus dem 20. Jahrhundert, aus dem weiten Bereich der Volksmusik, des Jazz oder des Pop. Sogar Monteverdi, wahrhaftig eine Musik, die nicht jedem Chor gelingt, geriet bestens. Und das auf eine Art und Weise, die man in Europa kaum mehr erleben kann, nämlich rein auf Ausdruck gesungen.

Die Höhepunkte aber waren sicher die virtuosen Arrangements philippinischer Volksmusik, in denen von Schreien und Pfeifen bis Vogelstimmenimitaten auch allerlei Ungewohntes zu hören war. Und natürlich die jazzigen Nummern, in denen die Frauenstimmen genau den jazzigen Sound produzierten, den sonst nur Solistinnen hin bekommen. Dass „Lady Madonna“ auch virtuos gelang, bleibt eine Nebenbemerkung. Und dass die von beiden Chören gemeinsam gesungene Zugabe von Joseph Rheinbergers „Abendlied“ in seiner biederen Betulichkeit nicht so recht zum Rest des begeisternden Abends passte: geschenkt. Wer die Möglichkeit hat, der sollte die Gelegenheit nutzen, sich den Chor aus Manila in Hannover noch anzuhören.

Von Reinald Hanke