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Wienhausen Ein Wiener für Wienhausen
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10:27 08.07.2014
Wienhausen

Man staunt nicht schlecht, dass ein Kloster, wie dasjenige in Wienhausen, sich seit kurzem rühmen kann, in Besitz eines neuen Bösendorfer Flügels zu sein. Zur Erinnerung: Bösendorfer, das ist die Wiener Klavierbaudynastie, die ihren Hauptverkaufsraum direkt im legendären Wiener Musikvereinsgebäude hat.

Nachdem das alte Wienhäuser Instrument nicht mehr die Qualität zur professionellen Nutzung hatte, hat Äbtissin von Randow auf Anregung des Kulturkreises Wienhausen entschieden, dass ein neuer Flügel gekauft werden möge und Geld dafür organisiert. Bei der Auswahl ließ sie sich beraten vom renommierten Klavierstimmer und Intonateur Gerd Finkenstein, der ein Instrument der Klavierbaufirma Bösendorfer empfahl. Das wiederum traf sich genau mit der Vorgabe desjenigen beim Kulturkreis Wienhausen, der dort für das Musikprogramm zuständig ist, Peter Busch. Busch wollte ausdrücklich ein Instrument mit einer großen Ausgeglichenheit über alle Register und mit einem weichen Einschwingvorgang. Außerdem war es Busch wichtig, dass das Kloster Wienhausen als Konzertort ein Alleinstellungsmerkmal bekommt durch einen Flügel, wie er nicht überall zu hören ist. Welch Instrument könnte da besser sein als ein Bösendorfer, der ja für seinen singenden Klang bekannt ist. „Und natürlich bekommen wir mit einem solch hochkarätigen Instrument auch leichter Pianisten hoher Qualität in unser Sommerrefektorium,“ so Busch ergänzend.

Angesprochen auf die Problematik, dass Bösendorfer bis vor wenigen Jahren arg unter der allgemeinen Instrumentenverkaufskrise gelitten hat und sich hartnäckig das Gerücht hielt, dass die „Bösendorfer“ auch nicht mehr das wären, was sie einmal waren, verweist Busch auf die aktuelle Entwicklung. Seit geraumer Zeit gehört nämlich das traditionsreiche Haus zum japanischen Großkonzern Yamaha, was zunächst Skepsis hervorrufen mag. Es sei so, dass Yamaha ihre Wiener Klavierbauer als Aushängeschild sieht und ihr deshalb nicht das übliche Rationalisierungsprogramm auferlegt hat, mit den unweigerlichen Folgen einer Niveauverschlechterung. Man will wohl bei Yamaha mit der Edelmarke Bösendorfer weg vom Image des Mittelmäßigen. Ganz im Gegenteil ist es wohl so, dass Yamaha mit seiner Liquidität dafür sorgt, dass man in Wien in altbekannter Weise weiter arbeiten und besonders klangschöne Instrumente bauen kann, ohne finanziell am Abgrund balancieren zu müssen.

„Dem Kloster Flügel verleihen“, so lautete das Motto im Vorfeld der Beschaffung des neuen Wienhäuser Flügels. Man darf gespannt sein, wie weit das Klavierduo Walachowski im Einweihungskonzert am Freitag dieses Motto in Klang wird verwandeln können. Dem bereits ausverkauften Konzert sollen im nächsten Jahr weitere Abende mit Klavierbeteiligung folgen. Bleibt zu hoffen, dass das Kloster die immense Investition auch für ein breiteres Publikum erlebbar machen wird.

Von Reinald Hanke