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Wienhausen Ensemble Theatrum inszeniert in Wienhausen Maria Magdalenas persönliches Evangelium
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Ensemble Theatrum inszeniert in Wienhausen Maria Magdalenas persönliches Evangelium
18:56 30.03.2015
Inszenierten die Rolle der „Sünderin“: Friederike von Krosigk (Mitte) - als Maria Magdalena zwischen ihren Mitspielerinnen Christiane (links) und Ina Friebe. Quelle: Benjamin Westhoff
Wienhausen

Wenn auch in der Bibel nur wenig über Maria Magdalena zu erfahren ist, so ist in diesen wenigen Passagen doch eine enorme Seelenverbindung zwischen ihr und Jesus fühlbar, die aber nicht weiter thematisiert wird. Vielmehr wird sie – vornehmlich von der Amtskirche – ignoriert, weil sie offensichtlich nicht ins Bild der von Männern beherrschten Anhängerschaft („Ihr Gott durfte keiner Frau bedürfen“) passt. Umso mehr sorgen die im Jahr 1896 gefundenen Fragmente eines „Evangeliums nach Maria“ in der Diskussion über das Leben der schönen Makkabäer-Tochter bis heute für neuen Zündstoff.

In Verbindung mit Bibelzitaten sowie literarischen Auszügen aus Luise Rinsers Historienroman „Mirjam“ bilden sie das Gerüst der Inszenierung „Maria Magdalena – Ein Gleichnis in 14 Bildern“ des Ensembles Theatrum vom Schloss Hohenerxleben (Sachsen-Anhalt), die am Freitag auf Einladung des Kulturkreises Wienhausen im Sommerrefektorium des Klosters zur Aufführung kam.

Unter der Leitung von Friederike von Krosigk, die auch die Titelrolle spielte, wurde auf eindringliche Weise die Geschichte einer Frau inszeniert, die sich zwischen männlicher Autorität und Selbstfindung bewegt und ihren Gefühlen mal zweifelnd, mal trotzig freien Lauf lässt. Die Geschichte einer klischeebehafteten „Sünderin“, die in der Person Jesu auf einen außergewöhnlichen Mann trifft und sich herausfordern lässt, „bis an die Grenzen menschenmöglicher Liebesfähigkeit“ zu gehen. Gemeinsam mit ihren in verschiedenen Rollen auftretenden Mitspielerinnen Ina und Christiane Friebe – und untermalt von sphärischer Musik – spürte Friederike von Krosigk den verborgenen weiblichen Stimmen des frühen Christentums nach und hauchte ihnen Leben ein. Dabei verkörperten die Darstellerinnen die biblischen Protagonisten nicht nur, sondern versinnbildlichten auch deren menschlichen Gefühle.

„Ich habe dazu beigetragen, dass er ein Mensch wurde“, sagt Maria Magdalena über ihre Liebe (für sie ein Synonym für „unentrinnbare Bindung“) zu Jesus. Aus der Rebellin wurde eine – im buchstäblichen Sinne – Lebensgefährtin. Und eine unerschütterliche Apostelin. In einem der zahlreichen intimen Dialoge lässt sie Jesus wissen, dass es keiner Wunder bedarf, um an ihn zu glauben. „Er war zu groß für uns“, stellt sie später dazu fest, „auch wenn es immer wieder Menschen gibt, die auf alles eine Antwort wissen.“ Man könne ihn nur zu begreifen versuchen, aber – mit einem Seitenblick auf die Männergesellschaft – „das tun wir auf der Basis unserer eigenen Vorurteile“.

Von Rolf-Dieter Diehl