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Wienhausen Frauen im Celler Land sind Feuer und Flamme für die Wehr
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18:37 13.09.2017
Von Audrey-Lynn Struck
In der Hauptzentrale der Freiwilligen Feuerwehr Celle wurde schon beim Bau an eine extra Umkleidekabine für Frauen gedacht.Hier ziehen sich (von links) Sabrina Claußen, Cindy Sander, Catharina Stremmel, Anke Backhaus und Petra Kruska für ihren Einsatz um.
Wienhausen

Für die Wienhäuserin Ingrid Backhausen erfüllte sich ein Traum. "Ich fand schon immer den Gedanken toll, andere zu beschützen und in der Feuerwehr-Gemeinschaft für sie da zu sein", sagt die 63-Jährige.

Backhausen, die mittlerweile Kreisfrauensprecherin des Kreisfeuerwehrverbandes Celle ist, ist eine Frau der ersten Stunde. Obwohl ihr anfangs trotz Gesetzesänderung von den Feuerwehrmännern Steine in den Weg gelegt wurden und Ausreden wie fehlende Toiletten und Umkleiden überwogen, ließ sie sich nicht beirren. „Klar haben wir Frauen uns am Anfang sehr schwergetan", räumt die Wienhäuserin ein.

Doch die unerwartete Hilfe des Ortsbrandmeisters in Wienhausen rief schließlich ein Umdenken in der Männertruppe hervor. „Der Brandmeister kam auf uns zu und fragte uns, ob wir nicht eine Frauengruppe gründen wollten. Meine Freundinnen und ich waren für diese Idee sofort Feuer und Flamme“, erzählt Backhausen. Mit der Unterstützung des hochrangigen Feuerwehrmannes hinter sich konnten sie beruhigt beitreten.

Die Cellerin Anke Backhaus ist genauso begeistert in der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr aktiv – und das seit 25 Jahren. Als sie 1992 einen Aufruf in der Zeitung las, dass auch Frauen in der Feuerwehr gern gesehen wären, rief sie sofort in der Wache an. Die Neugierde hatte sie gepackt. „Das war ja auch für mich Neuland. Damit habe ich eine echte Männerdomäne betreten“, so die 56-Jährige. Am Anfang wehrte sich auch bei ihr die Mannschaft gegen den Eintritt einer Frau. Aber das weckte nur noch mehr den Kampfgeist der Cellerin. „Die sagten, ich werde das eh auf kurz oder lang nicht schaffen. Aber ich haben es ihnen gezeigt“, gibt sich Backhaus selbstbewusst.

Mittlerweile haben es Frauen bei der Feuerwehr um einiges leichter und immer mehr treten ein. Insgesamt ist der Frauenanteil bei der Freiwilligen Feuerwehr in ganz Niedersachsen im vergangenen Jahr auf 11,6 Prozent gestiegen. Außerdem ist mit etwa 42.000 Mitgliedern die Kinder- und Jugendfeuerwehr so aktiv wie noch nie.

Auch die Feuerwehr im Landkreis Celle hat diverse Strategien entwickelt, um die Jugend für ihre Arbeit zu begeistern. „Die Brandschutzerziehung fängt eigentlich schon im Kindergarten an, sodass die Kinder ab sechs Jahren das erste Mal so richtig auf uns aufmerksam werden“, sagt Backhausen. Die begeisterten Kinder haben sofort die Möglichkeit, in die Kinderfeuerwehr einzutreten. Das ist dann das Sprungbrett. „Wenn die Kinder dann mit zehn Jahren in die Jugendfeuerwehr aufsteigen, geht ihre Karriere richtig los“, erzählt die Kreisfrauensprecherin.

Einigen Kindern wird der Beitritt in die Feuerwehr schon in die Wiege gelegt. Bereits deren Eltern und Großeltern haben sich dem Brandschutz angeschlossen – und sind dabei geblieben. Denn es zeigt sich: Wer einmal Spaß daran hat, der bleibt auch. „Die meisten der jungen Mitglieder arbeiten darauf hin, später einmal der aktiven Feuerwehr beitreten zu dürfen. Das ist für sie das Highlight“, so die Wienhäuserin.

Sowohl Backhausen als auch Backhaus können sich nicht vorstellen, jemals aus der Feuerwehr auszutreten. Schließlich haben sie lange für dieses Ziel gekämpft. Und Backhaus schwärmt: „Es ist fesselnd, toll, befriedigend und schön, anderen aus Überzeugung helfen zu können.“