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Wienhausen Geschichten von Freunden und Verrätern
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Geschichten von Freunden und Verrätern
19:01 29.09.2013
Oppershausen

Nach insgesamt 27 Veranstaltungen mit namhaften Schauspielern, Autoren und Dramaturgen ist das achte Niedersächsische Literaturfest nach fast dreiwöchiger Dauer erfolgreich zu Ende gegangen. Die veranstaltende VGH-Stiftung darf sich über stolze 91 Prozent (im Vorjahr 85 Prozent) Auslastung freuen. „Freundschaft“ war in diesem Jahr das übergreifende Motto.

Zu jeder Freundschaft gehört aber auch ein Gegenpol. „Verrat“ hieß deshalb die Leseveranstaltung im Gut Oppershausen, für die der Schriftsteller Ulrich Woelk Texte verschiedener Autoren aus der Gegenwart und aus der näheren Vergangenheit in einer vielseitigen Collage zusammengetragen hatte. In Ausschnitten beleuchtete sie den Bruch des freundschaftlichen Treueschwurs in all seinen Facetten und entführte die Zuhörer tief in sehr unterschiedliche Geschichten von Freunden und Verrätern. Auch wenn sie auf den Gesamtinhalt der Schriften und Romane nicht näher eingingen und vielleicht nur eine Randerscheinung darstellten. Von Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“ über Ian Flemings James-Bond Roman „Riskante Geschäfte“ und Dan Browns „Sakrileg“ bis hin zu Max Frischs autobiografischer Rückschau „Montauk“ waren alle literarischen Größen auch der jüngeren Zeit vertreten. Ob Mann oder Frau, Liebe oder Hass, Krieg, Wut oder Frieden – es ergab sich ein literarisch weites Feld zwischen freundschaftlicher Verbindung und tatsächlichem oder auch nur gefühltem Verrat. Mit insgesamt acht Texten weiblicher Autoren und ebenso vielen männlicher Schriftsteller setzten sich Brigitte Assheuer, Sprecherin und Moderatorin zahlreicher Kultur- und Literatursendungen, sowie Dietmar Wunder, in Berlin geborener Schauspieler und Synchronsprecher, intensiv mit der Frage auseinander, ob Frauen anders verraten als Männer. Eine Frage allerdings, auf die es letztlich keine Antwort gab. Fast eineinhalb Stunden lesen sie mit fester, ausdrucksvoller Stimme und wissen mit Pausen dort, wo man sie nicht vermutet, spannungsvolle Akzente zu setzen und Hintergründe aufzurollen. Im Publikum lauscht man gespannt ohne auch nur eine Sekunde der Unaufmerksamkeit.

Mit dramatischen Akkorden aus Verdi- und Wagneropern - gefühlvoll angespielt, aber ohne auf deren musikalischen Kontext Rücksicht zu nehmen - sorgte die junge koreanische Pianistin Sae-Nal Lea Kim für eine zusätzliche Verdichtung der Atmosphäre. Ein Abend insgesamt zum Zuhören, Nachdenken und zum späteren Weiterlesen.

Von Hartmut Jakubowsky