Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Wienhausen Innerer Frieden im Nonnenchor
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Innerer Frieden im Nonnenchor
13:02 05.09.2016
Das Vokal-Ensemble „Virga strata“ bei seinem Konzert im Kloster Wienhausen. Quelle: Michael Schäfer
Wienhausen

Zu Gast war das Vokal-Ensemble „Virga strata“ aus Berlin, das die rund 200 Zuhörer mit seinem Programm „Caelestis urbs Jerusalem“ (Himmlische Stadt Jerusalem) in einer Atmosphäre von Ruhe und innerem Frieden stimmungsvoll in die Welt mittelalterlicher Spiritualität und gregorianischer Gesänge führte. Geprägt von geistlicher Tiefe und einer Poesie der Einfachheit bezogen die Interpretationen aus dem Wechselspiel zwischen komplexer gregorianischer Polyphonie und den frühen einfachen Kirchenliedern eine faszinierende, zur Meditation anregende Dynamik.

Dabei erwies sich das Quintett als angenehm schlanker Klangkörper, der enorme Energien freizusetzen vermochte, zumeist in gregorianisch einstimmiger Manier, aber auch in der Variante der frühen Mehrstimmigkeit, etwa beim tänzerisch-beschwingten „O quam metuendus est locus iste“ (O wie ehrfurchtgebietend ist dieser Ort). So wussten die fünf Sänger mit einem gleichermaßen von spiritueller Ernsthaftigkeit, musikalischer Leichtigkeit und stimmlicher Harmonie geprägten Interpretationsstil zu begeistern: Sie spannten die teilweise melismatischen Bögen weich und weit in homogenem Klang und absoluter Intonationssicherheit und ergänzten sich zu einem überaus angenehmen Gesamtklang.

Die professionellen Kirchenmusiker schmückten den Gesang mit Mikrointervallen und bewahrten trotz der Individualität der Stimmen eine gleichmäßige Klangfarbe. Überhaupt: In diesem musikalischen Bilderbogen mittelalterlicher Sakralmusik gab es weit mehr zu hören als bloß den puristischen Notentext mit seinen dominierenden reinen Quinten und Oktaven: sinnliche Terzen, Spreizungen des Klangraums in Höhe und Tiefe und delikate Vibratoeffekte ließen die streng gefügte Musik kaleidoskopartig schillern und glänzen, dabei eine lebendige Wechselwirkung zwischen Wort und Musik entstehen.

Von Rolf-Dieter Diehl