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Wienhausen Kammermusik mit Oboe und Klavier in Oppershausen
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Kammermusik mit Oboe und Klavier in Oppershausen
09:14 30.05.2014
Maria Sournatcheva (Oboe) und Christiane Frucht (Klavier) - spielten im Vorwerk Gut Oppershausen. Quelle: Alex Sorokin
Oppershausen

Unter dem Titel „Die romantische Oboe“ spannten die Interpreten Maria Sournatcheva (Oboe) und Christiane Frucht (Klavier) am Mittwoch beim Kammerkonzert im voll besetzten Vorwerk Gut Oppershausen einen Bogen von romantischen Tonschöpfungen Clara und Robert Schumanns bis zu Paraphrasen von Verdi- und Donizetti-Opern.

Ob bei ihrem „Ausflug in die höchst emotionale Welt der Schumann-Lieder“, wie Moderator Klaus Becker sich ausdrückte, oder in den italienisch gefärbten Opernfantasien von Daelli und Pasculli – ihre Vorträge waren durchweg frei von musikalischer Überhitzung und Exaltiertheit. Die beiden Damen präsentierten einen genussvollen Stimmungs- und Gemütsreigen, geformt aus Kleinoden romantischen Empfindens, Zitterns, Flüsterns, Zagens und Erwartens. Jeglicher interpretatorischer Strenge enthoben, ließen sie dabei im wahrsten Wortsinn das Spiel mit der Musik dominieren. Sie machten nicht nur Musik, sie verströmten sie förmlich und ließen das Publikum an ihrer romantischen Verinnerlichung teilhaben: Dabei hielten sich innige Gefühle und atemraubende Virtuosität stets die Waage. Brillant vorgetragen wurden etwa die zwei Sätze aus Robert Schumanns op. 70 für Oboe und Klavier, die „mit innigem Ausdruck“ (Adagio) und „rasch und feurig“ (Allegro) heißen und so auch herüberkamen. Wie prädestiniert die Oboe mit ihrer leicht nasalen Klangfarbe für träumerische, nostalgische oder pastorale Szenen ist, war zuvor schon in Clara Schumanns „Drei Romanzen“ op. 35 zu erleben.

Aber die Oboe kann auch ganz anders, wie Sournatcheva zeigte. Insbesondere bei Pascullis Opernfantasie führte sie vor, was an waghalsiger Virtuosität möglich ist. Mit frappierender Spieltechnik, schier unerschöpflichem Atem und geradezu tänzerischem Körpereinsatz erwies sie sich als Oboenzauberin par excellence. Changierend zwischen atemberaubenden Läufen, glänzenden Effekten und fast endlos sich rankenden Girlanden tanzten und fegten ihre Finger über Klappen und Tonlöcher. Ihre Phrasierungskunst und die über lange Passagen gehaltene Atemspannung bot Sournatcheva in einer Brillanz dar, die ihresgleichen sucht.

Und Christiane Frucht war ihr dabei mal mit packendem Zugriff und drängender Geste, mal mit e Einfühlungsvermögen und zarter Hand eine kongeniale Partnerin. Mit feinem Anschlag in den lyrischen Momenten, dann wieder machtvoll auftrumpfend in den leidenschaftlichen Ausbrüchen, wusste die Pianistin manuelle Brillanz mit fließender Gestaltung und zartfühlender Poesie ebenso trefflich zu vereinen wie die Oboistin. Fantastisch.

Rolf-Dieter Diehl

Von Rolf-Dieter Diehl