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Wienhausen Konzert in Wienhausen mit Raritäten und Meisterwerken
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Konzert in Wienhausen mit Raritäten und Meisterwerken
20:59 31.10.2017
Spielen Bekanntes und Unbekanntes: Bettina Ihrig an der Viola und Andrzej Berezynsky am Klavier im Sommerrefektorium des Klosters Wienhausen. Quelle: Oliver Knoblich
Wienhausen

Wienhausen. Zunächst gab es dort Michail Glinkas frühromantische d-moll-Sonate, danach die Sonate eines vollkommen unbekannten Spätromantikers namens Heinrich Prinz Reuss, nach der Pause dann Paul Hindemiths in Kennerkreisen bekannte frühe Sonate für Viola und Klavier und schließlich Felix Mendelssohns frühe c-moll-Sonate. Um es kurz zu machen: Es hat sich wieder einmal erwiesen, dass die wenig gespielten Werke zu Recht wenig gespielt werden, weil ihnen im Vergleich zu den anerkannten Meisterwerken das Entscheidende fehlt: Inspiration und Eigenständigkeit. Das kann man aber nur dann auch mit Berechtigung sagen, wenn man, wie in Wienhausen, die Möglichkeit hat, die Stücke auch einmal zu hören.

Michail Glinkas Viola-Sonate war in ihrer Mischung aus mozartschem Geist und romantischer Grundhaltung zwar reizvoll zu hören, aber als Ganzes doch ziemlich eintönig. Wer die befremdlich romantisierenden Mozart-Bearbeitungen Glinkas einmal gehört hat, der weiß nun, wo diese Art der Bearbeitung ihre Wurzel hat. Noch ernüchternder war die Sonate von Reuss. Hier hörte man ganz konkret, dass der Komponist im Stile von Brahms komponieren wollte. Es gelang ihm aber nicht. Ein typisches Epigonenstück, das auch mit Komponisten dieser Zeit aus der zweiten Reihe wie Heinrich von Herzogenberg nicht mithalten kann. Und wenn man dann das Finale noch in einem gehenden Tempo spielt statt spritzig schnell, wie es in den Noten steht, dann ist es kein Wunder, wenn die ohnehin begrenzte Wirkungskraft des Stückes ziemlich verpufft. Keine Frage aber: Es war interessant, eine solche Programmrarität mal live zu erleben.

Musikalisch auf ganz anderem Niveau dann aber die beiden Meister Mendelssohn und Hindemith. Die Mendelssohn-Sonate fächerten die Musiker wunderbar auf und ließen dabei die vielen Bezugnahmen des mit ungefähr 15 Jahren noch jugendlichen Mendelssohn in einer Art und Weise anklingen, die dem geradezu genialen Jugendwerk gut tat. Nun schien auch Pianist Berezynski ganz in seinem Element zu sein, gab Impulse, ohne in den Vordergrund zu drängen, und ließ den schönen Bösendorfer-Klang erblühen.

Paul Hindemiths Viola-Sonate war letztlich aber sicher das gewichtigste Werk des Abends. Und dieses Stück gelang den beiden Musikern auch am besten, auch wenn gelegentlich die erreichten technischen Grenzen aufseiten der Bratschistin nicht ganz zu überhören waren. Da sie sich aber nicht davon abhalten ließ, das Stück musikalisch gekonnt durchzugestalten, konnte das den Musikgenuss kaum trüben. Ein Abend zwischen interessant und ausgesprochen gelungen.

Von Reinald Hanke