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Wienhausen Landärzte hören nach 22 Jahren auf
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17:31 28.03.2012
Dres. Doina und Eugen Baiduc am - letzten Tag in ihrer Praxis in Wienhausen. Quelle: Joachim Gries
Wienhausen

„22 Jahre, da wächst etwas zusammen, das kann man sich gar nicht vorstellen“, sagt Dr. Eugen Baiduc. Der Allgemeinmediziner und seine Frau Doina, ebenfalls Ärztin, haben in der vergangenen Woche zum letzten Mal ihre Patienten behandelt. Jetzt ist Schluss mit der Selbstständigkeit. Die Praxis in Wienhausen, Schaffeld 10, wird aber weitergeführt. Am Sonnabend ist ein Tag der offenen Tür geplant, dann stellen Baiducs ihre Nachfolger Dr. Lilia Martynenko und Dr. Mikhail Melkumov vor.

Wir haben sehr bewusst diese Zeit gewählt, jetzt auszusteigen, sagt Baiduc. Vor 30 Jahren waren er und seine Frau aus Rumänien, wo sie ihr Medizinstudium absolviert und auch einige Jahre praktiziert hatten, nach Deutschland gekommen. „Die erste Zeit hier war wie im Paradies“, erinnert sich der 59-Jährige. Was er und seine Frau nach der Zeit in Rumänien so angenehm empfanden - die moderne Ausstattung der Praxen, die großzügige Versorgung mit Medikamenten - war für seine Kollegen damals der Normalfall. Aus Baiducs Sicht hat sich das inzwischen umgekehrt. „Der Patient, der nichts für seine Krankheit kann, wird bestraft.“ Er habe als Mediziner immer versucht, die Patienten vor den Änderungen zu schützen.

Vor allem in den vergangenen zehn Jahren sei die Bürokratie im Gesundheitswesen enorm aufgebläht worden. Alles muss dokumentiert und begründet werden. „Ihr denkt nicht klar. Die Krankheit verursacht die Kosten, nicht der Arzt, der den Patienten behandelt“, lautet sein Vorwurf an die, die diese Entwicklung zu verantworten haben. Er habe jedenfalls immer sehr bewusst verordnet. „Ich weiß, was Ressource heißt“, sagt Baiduc.

Vor 22 Jahren wollten Baiducs Berlin verlassen, eine eigene Praxis aufmachen. Zwei Orte hatten sie sich schon angesehen, am 22. April 1990 kamen sie nach Wienhausen. Sie gingen durch den Ort, durch den Klosterpark und wussten: „Das ist es“, noch bevor sie die Praxis gesehen hatten. Am 1. Juli 1990 nahmen sie im Klosterort die Arbeit auf.

„Wir wurden angenommen. Ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen für diese stressige Arbeit“, sagt der Mediziner. Er hat Familien über Jahre betreut, lernte Kinder und Enkel kennen. Machte Hausbesuche, begleitete Menschen bis in die letzten Stunden. Ein Vertrauensverhältnis wurde aufgebaut. „Man kennt die psychosozialen Zusammenhänge“, sagt Baiduc. Es sei Wert, das zu erhalten, aber das scheine heute nicht mehr gewünscht zu sein.

Von seinen Patienten haben er und seine Frau in den letzten Tagen in der Praxis große Wertschätzung erfahren. „Es ist schön, das mitzunehmen“, sagt Baiduc. Hätte sich nicht die Lösung mit den Nachfolgern ergeben, wären Baiducs noch nicht gegangen. So verlässt das Arztehepaar voller Freude und voller Dankbarkeit die Praxis. Erst einmal wollen sie sich Ruhe gönnen - und große Spaziergänge machen. In Wienhausen bleiben sie. „Ich denke, ich mache noch was“, sagt Eugen Baiduc.

Joachim Gries

Von Joachim Gries