Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Wienhausen Möbelrücken im Kloster Wienhausen
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Möbelrücken im Kloster Wienhausen
17:03 09.07.2014
Äbtissin Renate von Randow neben dem an seinen Originalstandort zurückgekehrten Äbtissinnenstuhl.  Quelle: Alex Sorokin
Wienhausen

Die Agneshalle im Kloster Wienhausen ist leer – auf den ersten Blick. Wer aber aus dem Kreuzgang in die schwach beleuchtete Halle schreitet, macht neue Entdeckungen. Bis vor den hohen Schrank muss der Besucher gehen, um im Innern die vier Leuchterstangen aus dem frühen 15. Jahrhundert zu sehen. Die etwa 2,40 Meter hohen Stangen aus Holz sind komplett vergoldet und bemalt. Es sind zwei Passionsleuchter, ein Marienleuchter und ein Erscheinungsleuchte r. Dezent angestrahlt, kann der Betrachter die Details studieren. Ein Luftstrom umspült die mittelalterlichen Schätze und schützt sie so vor Feuchtigkeit. Der Schrank ist grün gestrichen, der matte Lack kommt aus der Autoindustrie – High Tech im mittelalterlichen Kloster.

Ebenfalls erst auf den zweiten Blick ist in einer Nische der Agneshalle der Schrank mit Prozessionsfiguren aus dem 15. Jahrhundert zu sehen. Restaurator Max von Boeselager weist auf den Originallack auf der Schrankrückwand mit den Papierpailletten oder auf das blanke Silber des Gewands des hölzernen Alexander hin. In diesem Schrank wurden die Figuren von Beginn an aufbewahrt.

Ihr sei es darum gegangen, die Agneshalle als Raum zu bewahren und die wertvollen Gegenstände sichtbar zu machen, ohne die Sehgewohnheiten der Besucher zu stören, sagt Planerin und Architektin Katja Hennig von der Klosterkammer Hannover. „Die Halle war vorher voll“, erläutert Äbtissin Renate von Randow rückblickend. Alles, was sonst nicht unterzubringen war, hatte hier bisher seinen Platz. Inzwischen ist der Torfkahn aus dem Jahr 920 an das Landesmuseum in Hannover abgegeben worden. Zwei Leuchter hängen jetzt im Nonnenchor.

Dort ist auch der Äbtissinnenstuhl an seinen Originalplatz zurückgekehrt, wo bisher der Schrank mit den Prozessionsfiguren stand. Auch das Chorgestühl wurde restauriert, das Stützgerüst war von Würmern zerfressen. Bereits vor zwei Jahren hatte das heilige Grab seinen Platz mitten im Nonnenchor verlassen und war in einen neuen Anbau umgezogen. Von Randow sieht jetzt einen Schlusspunkt einer ganzen Reihe von Neuordnungen erreicht. Für sie und ihre zehn Konventualinnen ist das Kloster damit lebbarer, für die Besucher erlebbarer geworden.

Geplant habe sie noch, die beiden Museen neu zu gestalten, sagt von Randow. Während bei der Teppichausstellung nur wenig zu verändern sei, solle das Klostermuseum von der Didaktik her überarbeitet werden. „Weniger wäre mehr für die Besucher“, sagt die Äbtissin. Neben den ältesten Brillen der Welt können dann wohl auch die kleinen Schriftstücke bewundert werden, die vor drei Tagen zusammen mit einer Korallenperle bei der Restaurierung des Chorgestühls gefunden wurden.

Joachim Gries

Von Joachim Gries