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Wienhausen Muss Totilas im Celler Tierheim bleiben?
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17:26 06.02.2015
Totilas in seinem heimischen Zwinger in Wienhausen. Quelle: Benjamin Westhoff
Wienhausen

Ginge es nach Ingeborg und Joachim Treichel, würde Totilas aus dem Tierheim Celle sofort zu ihnen nach Wienhausen zurückkehren. Im Tierheim lebt der Rottweiler-Bullmastiff-Mischling seit dem 22. August 2013. Wenige Tage zuvor war es auf dem Grundstück in Wienhausen zu einem Zwischenfall gekommen, über den die Darstellungen auseinandergehen. Der Hund hatte sich von seiner Leine losgerissen, als er geimpft werden sollte. Daraufhin sei der Mischling misshandelt worden, gab die Tierärztin gegenüber dem Landkreis Celle an. Treichels bestreiten, dass auf den Hund eingeschlagen worden sei und ihm Schmerzen zugefügt worden seien.

Der Landkreis schritt damals ein. Bei einer amtstierärztlichen Kontrolle der Hundehaltung am 22. August 2013 hätten Joachim Treichel und seine Frau Ingeborg die gegen sie erhobenen Vorwürfe bestätigt und auch bekräftigt, dass Gewaltanwendung zur üblichen Erziehungspraxis gehöre, heißt es in einem Schreiben des Landkreises an das Verwaltungsgericht Lüneburg. Die Fortnahme seines Hundes unterstützte Joachim Treichel insofern, als er Totilas selber anleinte und an der Amtstierärztin, den Tierheim-Mitarbeitern und den Polizisten vorbei zum Auto des Tierheims brachte. Dass er damals mitspielte, ärgert Treichel heute besonders.

Im Oktober 2013 sollte Treichel im Tierheim zeigen, dass er mit Totilas klarkommt. Das ging schief, der Hund hörte nicht auf seine Kommandos, er ließ sich von einem Schäferhund außerhalb des Zauns provozieren. "Vor Freude, dass er mal nach draußen kam", begründet Joachim Treichel die Tatsache, dass er den Hund nicht unter Kontrolle hatte. Der Hund blieb im Heim. Am 19. November 2013 traten Treichels Totilas an das Tierheim ab, denn für die Unterbringung ihres Hunds dort fielen jeden Tag 15 Euro an. "Wir wurden erpresst", sagt Treichel rückblickend und verweist auf die aufgelaufenen Kosten.

Mitte August 2014 wurden Joachim Treichel und seiner Frau Bußgeldbescheide zugestellt. Jeder sollte 100 Euro Geldbuße zahlen, zudem die Kosten für Unterbringung und Versorgung des Hunds in Höhe von je 766,50 Euro. Zuzüglich Gebühren sollte das Ehepaar Treichel also 1788,26 Euro an den Landkreis zahlen. Gegen ihre Bußgeldbescheide legten Treichels über ihren Rechtsanwalt Hans-Peter Rehme aus Lachendorf Widerspruch ein.

Im Januar entschied das Amtsgericht Celle, das die beiden Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen Ingeborg und Joachim Treichel eingestellt werden. Die Kosten des Verfahrens wurden der Staatskasse auferlegt, ihre Anwaltskosten mussten Treichels allerdings selber zahlen. Rehme geht davon aus, dass mit dem Beschluss auch die Kostenerstattung für Totilas Unterbringung im Tierheim abgewendet ist, denn die war Gegenstand derselben Bußgeldbescheide.

Als Joachim Treichel jetzt die Rückgabe seines Hunds beim Kreisveterinäramt einforderte, erhielt er eine Abfuhr. Rüdiger von Massow habe ihm erklärt, der Landkreis habe keine Handhabe gegen das Tierheim. „Was spricht dagegen, dass ich meinen Hund wiederbekomme?“, fragt Treichel. Er sieht seinen Hund in einem engen Käfig dahinvegetieren.

Tierheimleiter Roman Thönies verweist darauf, dass Treichels den Hund freiwillig abgetreten haben. „Wir haben in keiner Weise Druck ausgeübt.“ Totilas werde gehalten wie ein normaler Hund, es werde mit ihm gearbeitet. Er sei ein lieber Kerl, aber wenn er aus der Fassung gerate, sei er nicht zu halten. Mit seinen 60 Kilogramm sei der Rottweiler-Bullmastiff-Mischling ein richtiges Kraftpaket. Und dafür würden Menschen mit Erfahrung gesucht. Eine Chance, dass Treichels ihren Totilas zurückbekommen, sieht Thönies nicht.

Von Joachim Gries