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Wienhausen Nach Schwelbrand: Familie in Bockelskamp steht vor dem Nichts
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Nach Schwelbrand: Familie in Bockelskamp steht vor dem Nichts
21:49 10.12.2013
Von Carsten Richter
Schwelbrand kurz vor der Weihnachtszeit: Heiko Sprötge, Annika Böse und ihre Tochter haben ihr Hab und Gut verloren. Quelle: Benjamin Westhoff
Bockelskamp

Erst im April waren sie in die Wohnung eingezogen, nun stehen sie vor dem Nichts. Nur ein großer schwarzer Fleck im Fußboden erinnert an das Geschehene. Der Kaminofen, der dort bis zum 24. November stand, hat nun auf dem Flur Platz gefunden. Ausgerechnet der Ofen ist noch da – an ihm hat sich der Schwelbrand entzündet, der einer jungen Familie in Bockelskamp (Flotwedel) ihr Hab und Gut genommen hat. Sonst ist nicht mehr viel übrig, der Rauch saß überall drin.

Der Schock steckt Heiko Sprötge (31) und seiner Freundin Annika Böse (25) noch immer in den Knochen: Der 24. November, ein Sonntag, begann ganz gewöhnlich. Sprötge ist Koch in einer sozialen Einrichtung – er musste arbeiten. Kurz vor 15 Uhr kam er zurück, mit ihrer gemeinsamen Tochter Leana (2) wollte der junge Vater zum Fußball. Böse ist Altenpflegerin, sie hatte frei und war mit einer Freundin verabredet. Zehn Minuten, nachdem ihr Freund mit der Tochter gegangen war, verließ auch sie die Wohnung im Erdgeschoss – nichts ahnend, dass sie ihre vier Wände so nicht mehr vorfinden werde.

Rund eine Stunde später ging ein Anruf bei der Feuerwehr ein. Ein Nachbar im ersten Stock hatte Schreie aus dem Erdgeschoss gehört, er hatte sie der kleinen Leana zugeordnet. Wie sich herausstellte, kamen sie von Kater Louie, der das Haus wohlbehalten verlassen konnte. Ganz erklären können sich Böse und Sprötge die Brandursache indes nicht. „Beim Nachfüllen des Ofens muss was schief gegangen sein. Ob Glut oder nur ein Funke herausgefallen ist, wissen wir nicht“, meint Sprötge.

Der Schaden ist immens – auf rund 10.000 Euro beziffert ihn das Paar. Matratzen, das Sofa, Leanas Kinderbekleidung, ihr geliebtes Legospielzeug – wegen giftiger Schadstoffe ist alles unbenutzbar. Auch Elektrogeräte wie den Fernseher mussten sie aus Sicherheitsgründen vernichten.

„Das tut am meisten weh, etwas aus der Hand zu geben, was noch heil ist“, sagt Böse. „Wir hatten alles mit Liebe gekauft.“ Auch das Bett der Tochter mussten sie weggeben. Böse ist zurzeit schwanger. Für ihr zweites Kind, das sie im März erwarten, hatten sie bereits ein Schlafzimmer eingerichtet. Die Möbel, die sie noch retten konnten, müssen nun mit einem Spezialreiniger aufwendig gesäubert werden.

Und das alles kurz vor Weihnachten: Das Fest werden sie nicht im eigenen Zuhause feiern können – ein Wiedereinzug wird wegen der Reinigungs- und Malerarbeiten vor Ende Januar nicht möglich sein. Vorerst sind sie bei Böses Großvater (78) untergekommen – auch für den allein lebenden Mann eine große Umstellung.

Die ganze Aufregung, der Ärger mit Versicherungen, immer wieder gibt es Streit. „Man ist einfach sauer und weiß manchmal gar nicht worauf“, erklärt Böse. Zeit für sich und ihre Tochter – das alles kommt zurzeit zu kurz. „Nach Weihnachten mal ein wenig Urlaub machen, das wäre unser Wunsch“, sagt Sprötge. Über Spenden, besonders über ein paar finanzielle Zuschüsse, freut sich die junge Familie. Kontakt: annika.boese1988@web.de.