Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Wienhausen Neuen Konzertflügel in Wienhausen eingeweiht
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Neuen Konzertflügel in Wienhausen eingeweiht
17:51 13.07.2014
Das Duo Anna (rechts) und Ines Walachowski weihte mit einem Konzert den neuen - Flügel des Klosters Wienhausen ein. Quelle: Alex Sorokin
Wienhausen

Ein neuer Bösendorfer-Flügel im Kloster Wienhausen, das war Grund genug, ein kleines Einweihungsfest zu feiern. Also lud die Klosterleitung ihre gesamten Gönner und Sponsoren ein zu einem Empfang mit anschließendem Konzert, in dem erstmals das neue Instrument erklingen sollte. Vierhändig sollte der Flügel gespielt werden, weshalb man sich seitens des Kulturkreises Wienhausen um ein Klavierduo bemühte. Das wurde dann auch mit Anna und Ines Walachowski gefunden. Dieses Klavierduo harmonierte unter einander bestens und es agierte auch technisch auf hohem Niveau. Aber musikalisch-gestalterisch hatte das Duo eher wenig zu bieten.

Aber zuerst einmal zum Positiven: Der neue Bösendorfer ist ein großer Gewinn für das hiesige Kulturleben. Seine klangliche Fülle mit einem wunderbar weichen Bass, einer eher grundtönigen Mittellage und einer dezent-brillanten Höhe passt bestens in den kleinen Raum des Sommerrefektoriums. Sein Volumen ist sogar fast schon zu groß dafür, was danach schreit, das Instrument mit Dezenz zu behandeln.

Das jedoch war nicht Sache des Klavierduos. Das spielte fast immer eher zu laut als zu leise. Feine Zwischentöne Fehlanzeige. Immer wieder konnte man erahnen, über welch wunderbare Klangfarben dieses Instrument verfügt, aber sie wurden höchstens einmal angedeutet wie beispielsweise bei den Mixturenklängen gegen Ende von Maurice Ravels „Bolero“. Und das berühmte Singen, das doch ein Charakteristikum der Instrumente dieses Klavierbauers? Kaum etwas war davon wahrzunehmen. Nicht nur, dass man dazu natürlich auch ganz spezifische musikalische Voraussetzungen mitbringen muss: Man muss atmend phrasieren können. Und vor allem muss die Balance innerhalb des Klavierklanges stimmen. Wie selten ist das zu erleben! Beim Konzert in Wienhausen war es nicht der Fall, denn die linke Spielerin, also diejenige mit den tiefen Tönen, war fast immer zu laut im Vergleich zur rechten Spielerin. Das mag damit zusammen hängen, dass die beiden Musikerinnen im Normalfall sicher die allgemein üblichen Steinway-Instrumente spielen. Und bei denen muss man in der Höhe eher zurückhaltend spielen, weil der so brillante Steinway-Klang in der Höhe sich gerne vordrängt. Ein Bösendorfer wie dieser, der braucht etwas mehr Druck und Kraft auf der rechten Tastaturseite. Das Klavierduo war aber offensichtlich kaum auf die besonderen Charakteristika dieses Instruments eingestellt, weshalb der Flügel oft ein wenig mulmig klang. Dazu kam noch, dass Bösendorfer-Instrumente meist dann am besten klingen, wenn man sie mit wenig Pedal spielt. Die Walachowskis verwendeten aber sehr reichlich Pedal. Schade, die wahren Qualitäten des neuen Wienhäuser Instrumentes waren an diesem Abend eher zu erahnen als zu hören.

Der Abend machte ohne Einschränkung Lust auf mehr Klaviermusik in Klosterkonzerten. Am 24. November wird es den ersten Soloabend in Wienhausen geben. Catherine Gordeladze Spiel dürfte wohl eher zu musikalischen Glücksmomenten führen.

Von Reinald Hanke