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Wienhausen Pohndorf macht Druck beim Hochwasserschutz im Celler Land
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Pohndorf macht Druck beim Hochwasserschutz im Celler Land
18:52 13.06.2016
Wienhausen

Jetzt unternimmt der Flotwedeler Verwaltungschef einen neuen Anlauf und zwar federführend für alle direkten und indirekten Alleranlieger von der Samtgemeinde Meinersen im Südosten bis zum Flecken Langwedel nordwestlich der Mündung in die Weser. Nach seinen Vorstellungen sollen 16 Kommunen die Hochwasserpartnerschaft Aller eingehen. Bis heute sollen die Partner die Kooperationsvereinbarung unterschreiben, morgen will Pohndorf den Vertrag persönlich beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Verden abliefern. Auf den letzten Drücker sozusagen, denn morgen ist für dieses Jahr „Einsendeschluss“.

Bereits im vergangenen Juli hatten sich die Aller-Anlieger in Wienhausen zu einem Hochwassergespräch „Aller“ getroffen. Nach dem Vorbild der Hochwasserpartnerschaft „nördliches Harzvorland“ hatten sie festgezurrt, beim Land einen Zuschuss für ein integriertes Hochwasserschutzkonzept zu beantragen. Anfang Mai hatte dann das Land neue Förderrichtlinien veröffentlicht. Ende Mai ließ sich Pohndorf zusammen mit seiner Expertin Andrea Trumtrar-Timm beim NLWKN den zugehörigen Kriterienkatalog erläutern, den er bei einem Antrag zu erfüllen habe. Anschließend ging er auf seine Kollegen in den Rathäusern zu und unterbreitete den Entwurf der Vertragsvereinbarung.

Die 16 Kommunen bringen sich auch finanziell ein. Maximal je 1500 Euro sollen sie in den nächsten drei Jahren zahlen. Damit soll das Konzept mit 20 Prozent kofinanziert werden; 80 Prozent sollen über den NLWKN aus EU-Fördertöpfen aufgebracht werden. Pohndorf bezeichnet die 1500 Euro pro Kommune und Jahr als Obolus. „So wie ich es sehe, helfen wir denen. Aber das Land sieht den Hochwasserschutz als Daseinsvorsorge der Kommunen an“, sagt der Verwaltungschef.

Rund 250.000 Menschen leben nach Pohndorfs Angaben in dem Gebiet. Welche Schäden ihnen ein Hochwasser zufügen kann, lässt sich nur schwer abschätzen. Für die Stadt Celle wird das Schadenspotenzial auf 105 Millionen Euro geschätzt, für das Flotwedel mit rund 11.000 Einwohnern sind es immerhin noch 800.000 Euro.

Welche Investitionen ein Masterplan Hochwasserschutz für die Region nach sich ziehen wird, ist derzeit laut Pohndorf nicht abzusehen. „Vielleicht benötigen wir gar keine großen Schutzbauwerke, die laufend zu unterhalten wären, wenn genügend Retentionsflächen ausgewiesen werden könnte.“ Dazu soll das Konzept ein erster Schritt sein. Anschließend müsse mit Landwirtschaft und Naturschutz, mit Fischereiverbänden und Tourismus gesprochen werden. Später sei ein Fonds denkbar, aus dem Ausgleichszahlungen etwa für Landwirte geleistet werden könnten. Und es müsse auch ein Plus für die Natur herauskommen.

Pohndorf weiß, dass der Kriterienkatalog des Landes eine hohe „Einstiegshürde“ ist. Dass Hochwasserschutz aber dringend notwendig ist, zeigen ihm die jüngsten Überschwemmungen in Bayern und Baden-Württemberg.

Von Joachim Gries