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Wienhausen Sängerin Mareike Morr gastiert in Wienhausen
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Sängerin Mareike Morr gastiert in Wienhausen
16:43 01.11.2010
Mezzo-sopranistin Mareike Morr in Wienhausen Quelle: Peter Müller
Wienhausen

Als Mareike Morr im Jahr 2007 ihr Diplom-Konzert an der Musikhochschule Hannover gab, da ließ dieser Abend sehr aufhorchen. Man erlebte eine junge Mezzosopranistin mit einer gestalterischen Reife und einer farbenreichen, weichen Stimme, dass man nur fasziniert sein konnte. Ihre gerade erschienene, ganz andere CD ist auf andere Weise mehr als ein Reinhorchen wert. Beides, sowohl Examenskonzert als auch CD, schienen wie Versprechen für ein Live-Erlebnis. Ein solches war nun auf Einladung des örtlichen Kulturkreises in Wienhausen möglich. Jedoch war der dortige Konzertabend von der inzwischen an der Staatsoper Hannover fest engagierten Morr letztlich eine kleine Enttäuschung, wenn man Morr schon anderweitig gehört hat. Damit soll aber nun wahrlich nicht ausgedrückt werden, dass dieser Liederabend ein schlechtes Konzert gewesen wäre. Morr kann aber viel mehr als sie an diesem Abend zeigen konnte. Ihre Stimmführung wirkte über weite Strecken wenig biegsam. In der Tiefe klang die Stimme eher blass als farbenreich und warm. Kurzum: Man hatte den Eindruck, dass die ausgewählten Lieder, ihre Stimme und ihre Art des Musizierens zur Zeit nicht optimal zusammen passen. Sie wirkt infiziert von dem Virus so manch Lieder singender Opernsängerin, zu viel geben zu wollen und deshalb die Feine, Zurückgenommene vieler Lieder zu vernachlässigen.

Morr sang Lieder von Franz Schubert, Hugo Wolf und Robert Schumann. Und zwar teilweise eher als Opernszenen denn als Lieder. Und das war bereits ein Hauptproblem dieses Abends. In einzelnen Liedern von Wolf mag Morrs Art der Musizierens, ihr Versuch den bestens verständlichen Text zu einer kleinen Szene zu verdichten, angemessen scheinen. Die „Storchenbotschaft“ gelang deshalb wohl auch am besten von den Wolf-Liedern. Bei Schubert und Schumann ist eine derartige Gestaltung aber sicher nicht passend. Und vor allem dann nicht, wenn man als Sängerin dabei eher verkrampft als locker wirkt. Erst als sie spürbar erleichtert war, nämlich nach Ende des offiziellen Programms, da wurde sie auf einmal lockerer. Und prompt gelangen die beiden Brahms-Zugaben auch viel besser als das reguläre Programm. Bei allen Einschränkungen: Diese musikalisch hoch begabte Sängerin würde man gerne wieder hören, aber mit einer ganz anderen Art des Programms als dieses Mal. Und auch gerne mit Volker Link am Klavier, der die beschränkten Möglichkeiten des kleinen Grotrian-Steinweg-Flügels optimal zu nutzen wusste.

Von Reinald Hanke